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Gasumlage: Uniper greift Löwenanteil ab, Kosten höher als angegeben

Die geplante Gasumlage kommt! Aller Voraussicht nach werden ab dem 01. Oktober die Verbraucher ihren Teil dazu beitragen, die höheren Beschaffungskosten der Energieversorger zu kompensieren. Die Ansprüche der Versorger addieren sich offiziell auf 34 Milliarden Euro. 90 Prozent davon sollen auf nur zwei Unternehmen entfallen: Uniper und die SEFE Securing Energy for Europe GmbH, bis vor kurzem noch als Gazprom Germania bekannt. 60 Prozent beansprucht alleine Uniper.

Gasumlage entspricht dem Wunsch von Lobbyisten und Ratingagenturen

Die Befriedigung des Geldhungers von Uniper ist wohl vor allem das Ergebnis der Einflussnahme von Lobbyisten aus dem Hause des Düsseldorfer Energieriesen. Zu dieser Einschätzung gelangt zumindest der Business-Insider. Ratingagenturen sollen mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Uniper gedroht haben. Mehr oder weniger unverblümt haben die Agenturen gefordert, die Verbraucher zur Kasse zu bitten. An der Ausgestaltung der Gasumlage seien dann Vertreter von Uniper selbst beteiligt gewesen.

Auch Unternehmen ohne Geldsorgen melden Ansprüche an

Egal, wie man zu der hohen von Uniper beanspruchten Summe steht: Unstrittig ist, dass der Konzern tatsächlich in Schwierigkeiten steckt. Nicht alle Unternehmen, die nun Ansprüche anmelden, haben vergleichbare Probleme. Einige sind nach wie vor höchst profitabel.

Dass die Gasumlage auch solchen Unternehmen nutzen kann, wurde inzwischen von mehreren Politikern der SPD und FDP kritisiert und dem Wirtschaftsministerium als handwerklicher Fehler angelastet. Robert Habeck, Wirtschaftsminister mit grünem Parteibuch, verspricht derweil Nachbesserungen und zeigt sich nach eigener Aussage überrascht, wie kompliziert der Gasmarkt doch ist.

Sind 34 Milliarden Euro überhaupt realistisch?

Neben der Verteilung der Gasumlage stellt sich die Frage nach der Korrektheit der genannten Kosten in Höhe von 34 Milliarden Euro. Diese Summe basiert auf 2,4 Cent pro Kilowattstunde und wurde Ende Juli bis Anfang August berechnet. Für die tatsächlichen Beträge im vierten Quartal 2022 und dem ersten Quartal 2022 ist diese Zahl aber ohne Belang. Grundlage sind die sogenannten THE-Preise der Gasfernleitungsnetzbetreiber. Diese im dreimonatigen Rhythmus neu kalkuliert. Laut den THE-Preisen beläuft sich die Gasumlage für das vierte Quartal auf die stolze Summe von 100 Milliarden Euro.

520 Euro für die Durchschnittsfamilie

Aus Sicht der Verbraucher ist diese Zahl sicher noch deutlich bedenklicher als eventuelle Ungerechtigkeiten bei der Verteilung. Schließlich sind es die Verbraucher, die für die Finanzierung der Kosten herangezogen werden. Zur Orientierung: Nach Schätzung von Verbraucherzentralen belaufen sich die Belastungen durch die Gasumlage bereits auf Basis von 2,4 Cent für eine durchschnittliche Familie auf 520 Euro pro Jahr.

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.