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Dax, Dow Jones & Co. im Sinkflug: Traurige Mienen an den Börsen

Die Euphorie bei vielen Aktionären war groß gewesen in den letzten Tagen. Einen „späten Frühling an der Börse“ hatten manche Anleger sogar schon prognostiziert und die rasanten Kursgewinne wie einen unerwarteten Lotteriegewinn gefeiert. Doch dann drehte sich plötzlich der Wind und aus dem lauen Lenz-Lüftchen wurde ein zerstörerischer Sturm.

Hochmut kommt vor dem Fall

Schuld war diesmal weder eine neue Virus-Variante, noch waren es weitere Sanktionen gegen Russland. Vielmehr zerschellte der Traum vom boomenden Wertpapiermarkt an den aktuellen Inflationsdaten aus dem Joe-Biden-Land USA. Stolze – oder sollte es besser heißen traurige? – 8,3 Prozent betrug die Teuerung im drittgrößten Staat der Erde im August 2022. Grund genug, mit einer zwar weiterhin unbeholfen anmutenden, aber zu erwartenden deutlichen Erhöhung der Zinsen durch die US-Notenbank zu rechnen. Und das sind nun wahrlich keine guten Nachrichten für die Fans von börsengehandelten Anteilsscheinen, Fonds und anderen Assets, die auf der Entwicklung des Dow Jones oder DAX basieren.

Nicht einmal der von einigen Enthusiasten heißgeliebte Bitcoin blieb vom Septemberverfall verschont. Diese in letzter Zeit überaus wackelige Kryptowährung, die nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht simples Zahlungsmittel und schon gar nicht stabile Altersvorsorge ist, verlor praktisch über Nacht 10 Prozent seines fragwürdigen Wertes. Dass es anderen Digitalgeldexperimenten nicht viel besser erging, zeigt exemplarisch das mit 7 Prozent im Minus liegende Ethereum-System, ein, auch für den talentierten Finanzinteressierten nur schwer durchschaubares Konstrukt zum Anlegen, Verwalten und Ausführen sogenannter Smart Contracts. Die alte, zugleich aber noch immer aktuelle Weisheit „Wie gewonnen, so zerronnen“ hat sich somit an den Börsen und Krypto-Märkten wieder einmal bewahrheitet. Oder mit einem Bibelzitat gesprochen: Hochmut kommt vor dem Fall.

Herbe Verluste vor allem bei Tech-Werten

Während in den USA damit gerechnet wird, dass die Notenbank Fed während ihrer nächsten Sitzung am 21. September einen Mega-Zinsschritt beschließen und den Schlüsselzins wohl auf über 3 Prozent anheben könnte, sind die Auswirkungen der Börsenangst aus Übersee auch in Europa und an den deutschen Handelsplätzen zu spüren. Hier rutschte nicht nur der Wert des Euro nach unten, vor allem Technologieaktien wie Amazon, Netflix, Meta oder Alphabet sausten um zeitweise 5 Prozent in Richtung Boden. Grund dafür sind die durch eine steigende Inflation und hohe Zinsen zu erwartenden niedrigeren Gewinne dieser stark konjunkturabhängigen Unternehmen. Doch auch bei anderen Titeln scheint es derzeit keine Hoffnung mehr zu geben. So ging es zum Beispiel für die Aktie des Online-Handelshauses Zalando ebenfalls um 5 Prozent nach unten. Gleichermaßen enttäuschte der „Koch-Boxer“ HelloFresh. Und selbst Pharmariese Beyer blieb von der Ausverkaufswut der Anleger nicht verschont.

Der Ölpreis bleibt stabil – was macht Gold?

Trotz der aktuellen Turbulenzen an den internationalen Börsen herrschte beim Ölpreis keine große Hektik; die Handelswerte blieben nahezu stabil. Zwar konnte der schon viele Wochen zu beobachtende Preis-Sinkflug des begehrten Rohstoffs gebremst werden, gleichwohl kann von einer Richtungsumkehr wohl noch keine Rede sein. Bleibt die Frage: Was macht Gold? Nun, die Entwicklung des Goldpreises hängt grundsätzlich (auch) von der Geldpolitik der Fed ab und unterliegt zudem verschiedenen Marktmechanismen. Hinzu kommt die Kopplung an den Dollar, der sich gegenüber dem Euro derzeit noch etwas besser behaupten kann. Zusammengenommen sind die derzeit zu beobachtenden Rückschläge beim Goldpreis somit wohl weit weniger dramatisch, als edelmetallscheue Politiker und deren willfährige Claqueure der schreibenden Zunft den Anlegern weismachen wollen. Im Gegenteil: Wer jetzt in Gold einsteigt, könnte mittel-, vor allem aber langfristig möglicherweise erheblich von den aktuell günstigen Einkaufspreisen profitieren.

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.