1x1 der Finanzen Blog

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Anleger-Angst vor einem schwarzen Mittwoch: Droht eine Mega-Zinserhöhung in Amerika?

Verglichen mit dem Vorjahreswert sind die Verbraucherpreise in den USA im August 2022 um gigantische 8,3 Prozent gestiegen. Angesichts der weltweiten Maßnahmen gegen Russland und der damit verbundenen Wirtschaftssanktionen drohen weiter steigende Energiepreise – und so zwangsläufig auch massive Verteuerungen in praktisch allen Lebensbereichen. Dass die US-Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, einer solchen Entwicklung nicht tatenlos zusehen kann, liegt auf der Hand. Als notwendiger Schritt gilt hier eine deutliche Leitzinserhöhung – und diese könnte so gewaltig ausfallen, wie seit 40 Jahren nicht mehr. Kein Wunder also, dass auf den Finanzmärkten unter Anlegern jetzt die Angst umgeht.

Steigende Zinsen sind nicht gut für den Aktienmarkt

Hohe Zinssätze sind ebenso wie eine starke Inflation für den Aktienmarkt negativ. Der Grund hierfür ist, dass ein verhältnismäßig hoher Zinssatz größere Erträge aus festverzinslichen Wertpapieren verspricht. Und diese guten Renditen aus risikoarmen Assets erfordern wiederum höhere Renditen für Aktien, um diese für Anleger noch attraktiv zu halten. Außerdem bedeuten höhere Zinssätze für Unternehmen immer teurere Finanzierungskosten. Im Umfeld einer gesunden Konjunktur kann all das durchaus funktionieren, ohne dass die Börsen (und damit die Investoren) Schaden nehmen. Doch von einer solch positiven Situation kann momentan wohl kaum die Rede sein. Vielmehr bringen die hohe Inflation als auch ein gestiegener Zins zahlreiche – vor allem kleine und mittelständische Unternehmen – an den Rand des Ruins. Oder treiben sie sogar direkt in die Insolvenz.

Droht der größte Zinsschritt in den USA seit 40 Jahren?

Derzeit liegt der Zinssatz in den USA bei durchschnittlich 2,38 Prozent. Mit Blick auf die äußerst angespannte Finanz- und Wirtschaftslage wird es dabei nicht bleiben können. Vielmehr ist zu erwarten, dass die Fed den Zinssatz bereits in der nächsten Sitzung massiv anheben könnte. Experten der japanischen Finanzholding Nomura jedenfalls sehen Anzeichen, dass die Fed aufgrund der bislang – trotz recht deutlicher Zinsschritte! – nur sehr schwachen Wirkung entsprechender Maßnahmen nunmehr einen massiven Schlag nach oben machen könnte. Möglicherweise wird es sich dabei sogar um den größten Zinsschritt seit etwa 40 Jahren handeln – ein voller Prozentpunkt ist also durchaus denkbar. Der Nominalzins in den USA läge dann bei stolzen 3,38 Prozent im Durchschnitt. Und nach Prognose der Analysten wäre dies noch lange nicht das Ende, denn bis Februar kommenden Jahres könnte der Zinssatz durchaus bei 4,5 bis 4,75 Prozent liegen.

Erhebliche wirtschaftliche Probleme für Unternehmen und Aktionäre

Sollte sich die Fed tatsächlich zu einem massiven Zinsschritt entschließen, dürfte die ohnehin schon angeschlagene Weltwirtschaft noch mehr unter den zusätzlichen Kosten ächzen. Kredite würden sich dann erheblich verteuern und neues Kapital wäre nur zu sehr ungünstigen Bedingungen zu beschaffen. Hinzu kommen die seit der Corona-Situation noch immer unsicheren Lieferketten, fehlende Fachkräfte und aufgrund der Energieprobleme exorbitant steigende Produktionskosten. All diese negativen Punkte würden sich nach einem nochmaligen, großen Zinsschritt der Fed wohl in deutlich sinkenden Aktienkursen niederschlagen und für große Ernüchterung unter den Anlegern sorgen. So manches Portfolio könnte also schon bald sehr viel weniger wert sein, als heute. Ein kluges und durchdachtes Ausweichen auf krisenerprobte und währungsunabhängig funktionierende Assets wird daher jetzt noch wichtiger.

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.