1x1 der Finanzen Blog

Anlageerfolg in schwierigem Fahrwasser

Das war für viele Marktteilnehmer eine echte Ansage der US-Zentralbank: Die Fed hebt den Leitzins, so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr, um einen halben Prozentpunkt an. Von einem Trendwechsel nun sprechen zu wollen, halte ich für ambitioniert.  Sicherlich fragen sich die meisten Anleger, wie es mit den Zinsen in der nächsten Zeit weitergehen wird. Das Kapital sucht in diesen unruhigen, wahrscheinlich bald stürmischen Zeiten natürlich einen sicheren Hafen. Zinsbasierte Produkte boten in der Vergangenheit den Anlegern zumindest auf dem Papier eine entsprechende Sicherheit. Die Anleihemärkte reagierten im Gegensatz zu den Aktienmärkten sehr positiv (auf dem Papier) auf diese Zinsentscheidung. Mit steigendem Zins ziehen die Anleiherenditen an und ihre Kurse fallen. Das bedeutendste Zinsbarometer, die Rendite zehnjähriger US-Bonds, hat sich seit Jahresbeginn auf drei Prozent mehr als verdoppelt.

Schulden und nichts als Schulden

Doch unter dem Strich und das ist nun die echte Benchmark, steht letztlich, also nach Inflation, bei der realen Rendite immer noch deutliches Minuszeichen. Dem Mindestanspruch an eine Geldanlage, den Geldwertverlust auszugleichen, werden aktuell nicht viele Anlageformen gerecht. Vermutlich wird sich die kurzfristige Erholung bei den Zinsen dauerhaft nicht bestätigen. Erscheinen mir die aus einem Zinsanstieg resultierenden Folgen zu mächtig. Vergessen wir bitte nicht, dass sich die derzeitige globale Verschuldung, also alle Staats- Haushalts-, Unternehmens- und Bankschulden zusammen, nach Angaben des Weltbankenverbandes auf fast 300 Billionen US-Dollar beläuft. Nicht auszudenken, was mit dem Schuldendienst passiert, wenn die Zinsen weiter steigen sollten. Und die Aufnahme neuer Schulden, eine Grundlage für das Erzeugen neuen Giralgeldes, ist somit eine absolute Notwendigkeit in unserem heutigen Geldsystem. Unser ungedecktes Papiergeldsystem lässt keine andere Möglichkeit zu. Aufgrund dieser Tatsache käme ein dauerhafter nachhaltiger Zinsanstieg einem Selbstmord gleich. Nicht zuletzt warnen große internationale Organisationen, wie der IWF, die OECD oder die BIZ immer wieder vor der immensen Verschuldung der globalen Ökonomie. Außerdem zeigt die Entwicklung der realen Zinsen  über 700 Jahre einen  Abwärtstrend. Schreibt man die Entwicklung fort (Extrapolation) ist  sogar mit weiter fallenden Zinsen zu rechnen. 

Kontrollverlust mit eindeutigem Ausgang

Die Situation ist außer Kontrolle geraten. Die Notenbanken versuchen ihren Kontrollverlust zu kaschieren. Einfach die Zinsen zu erhöhen und somit eine schwere Rezession zu vermeiden war in der Vergangenheit das Mittel der Wahl. Aktuell erscheint es mir so, als ob wir uns in einer Übergangszeit befinden. Das alte System scheint seine besten Tage hinter sich zu haben und etwas Neues zeigt sich in groben Umrissen bereits am Horizont. Weltweit kann man eine enorme soziale und politische Disharmonie wahrnehmen.  Ein Zustand der sicher auch nicht von Dauer sein kann und dringend der Anpassung bedarf. Die Politik kann aus dieser Misere nicht mit den herkömmlichen Mitteln herauskommen. Ein weiter so kann und wird es nicht geben. Wir benötigen einen Wandel, ein verändertes Denken und Handeln. Auch Albert Einstein erkannte bereits vor vielen Jahren: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Sollten die heutigen Protagonisten der Geldpolitik nicht zu dieser Erkenntnis gelangen, lässt das wohl auf keine rosige Zukunft hoffen.

Positive Realrendite erzielen

Reale Rendite zu erzielen ist in der aktuellen Situation sicher eine anspruchsvolle Herausforderung. Anleger müssen sich mit steigendenZinsen und einem inflationären Umfeld arrangieren. Die Aktienmärkte scheinen im Korrekturmodus zu sein und bei den Immobilienmärkten braucht es schon eine gehörige Portion Phantasie und Optimismus, um an eine weitere positive Entwicklung zu glauben. Eine Stagflation liegt in der Luft. Also eine konjunkturelle Situation, die von Wirtschaftsrückgang und gleichzeitiger Inflation gekennzeichnet ist. Auch diese Entwicklung muss bei heutigen Anlageentscheidungen ins Kalkül mit einbezogen werden. Eine der wenigen Möglichkeiten, um im Gesamtmarkt eine positive Rendite zu erzielen sind robuste Aktien mit soliden Bilanzen und starker Marktmacht, die in inflationären Zeiten ein solides Geschäftsmodell aufweisen. Rohstoffaktien scheinen hier eine gute Wahl zu sein. Kombiniert man diese mit einer Investition in physische Edelmetalle erhält man ein Gesamtportfolio, dass sich als geeignetes Instrument zur Inflationsabsicherung erweisen könnte. Vor allem Edelmetalle haben sich in der Geschichte immer als Sicherheitsventil erwiesen.  Aktien waren bis zu einer gewissen Inflationshöhe ebenfalls ein guter Schutz vor der Geldentwertung. Sollte die Inflation weiter anziehen, muss man Aktien eher auf seine „Verkaufen“-Liste setzen. Physische Edelmetalle sind das Gebot der Stunde, wenn die Dinge schwierig werden.

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.