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Volkswirtschaftslehre in der heutigen Zeit – massive Kritik angebracht?

In der Schule oder in der Berufsschule werden wir oftmals das erste Mal mit dem Thema Volkswirtschaftslehre konfrontiert. Eigentlich ist deren Grundlage relativ einfach verständlich, nämlich Produktion, Konsum sowie der Kapitaltransfer. Diese grundlegenden Mechanismen wurden in der Vergangenheit und werden auch heute noch von einigen Stellen zu ihren Gunsten verändert, was mit teilweise erheblichen Nachteilen verbunden sein kann. Dabei bedienen sich die entsprechenden Institutionen einiger Maßnahmen, zum Beispiel im steuerlichen Bereich, das Schaffen immer neuer Schulden sowie der Inflation.

Stehen wir vor dem Beginn einer enormen wirtschaftlichen Krise?

Nicht erst seit der Coronakrise muss man sich fragen, ob Deutschland, Europa oder die gesamte Welt am Beginn einer enormen Wirtschaftskrise stehen. Ein Problem ist, dass manche sogenannte Experten Lösungen nennen und zum Teil schon Maßnahmen durchführen, die keine fundamentale Grundlage besitzen. Dazu gehört zum Beispiel die modernen Geldpolitik der Zentralbanken oder bestimmte Programme, die angeblich nur zum Besten der Volkswirtschaft sein sollen. 

Immer öfter steht in dem Zusammenhang auch der Internationale Währungsfonds in der Kritik, unter anderem in Person der Managing Directorin Kristalina Georgieva. Zwar spricht der IWF im Rahmen der bereits begonnenen oder zumindest drohenden Wirtschaftskrise von möglichen Problemlösungen. Allerdings wird in dem Zusammenhang aus Sicht der Kritiker mehr politisch argumentiert als tatsächlich wirtschaftliche Lösungen angeboten.

Welche Maßnahmen schlägt der IWF vor?

Es sind im Wesentlichen drei Maßnahmen oder – etwas bildlich gesprochen auch als Gebote zu bezeichnen – die aktuell im Fokus des Internationalen Währungsfonds stehen, nämlich:

  • Passende wirtschaftlichen Maßnahmen ergreifen (insbesondere makroökonomisch)
  • Maßnahmen für alle Bürger bzw. das Volk
  • Klimawandel ernst nehmen und reagieren

Bei den passenden wirtschaftlichen Maßnahmen geht es insbesondere darum, dass wir uns bereits jetzt in einem Zeitalter des enormen Schuldenwachstums befinden. Zwar werden in dem Zusammenhang seitens des IWF Mut machende Begriffe wie Widerstandsfähigkeit oder Vertrauen genutzt. Echte volkswirtschaftliche Lösungen jedoch lassen nach Ansicht nicht weniger Experten auf sich warten.

Der Klimawandel wird als Bedrohung für den Wohlstand und das Wirtschaftswachstum gesehen, was sicherlich nicht anzuzweifeln ist. Trotzdem fehlt es auch diesbezüglich an echten Lösungsvorschlägen, zumindest solchen, die ein gutes Fundament haben. Zusammengefasst wird vor allem kritisiert, dass IWF & Co. zwar immer wieder betonen, dass man die globale Volkswirtschaft ankurbeln müsse, es aber auf der anderen Seite dennoch bisher zu keinen echten Erfolgen gekommen ist. Ganz im Gegenteil: Die Welt steht derzeit am Beginn einer historischen Schuldenkrise, was sich durch die Corona-Pandemie definitiv beschleunigen und verstärken wird.

Den Markt mit Geld überschwemmen als einzige Lösung?

Wenn wir uns aktuell die Vorgehensweise des IWF – meistens in Zusammenarbeit mit den Zentralbanken – betrachten, dann scheint es lediglich eine Hauptlösung für die globale Volkswirtschaft zu geben: den Markt immer weiter mit frischem, ungedeckten Papiergeld zu versorgen. Aus dieser Strategie machen die Verantwortlichen in der Regel keinen Hehl, denn schon seit Jahren Zielen nahezu alle Maßnahmen der Zentralbanken darauf ab, den Markt damit zu überfluten. Tatsächlich besteht allerdings das Problem darin, dass sich dadurch mehr Schuldenberge anhäufen, die Zentralbankwährungen beständig an Wert verlieren und dennoch keine signifikante Erholung der Wirtschaft zu erkennen ist. Ferner bemängeln Kritiker, dass die neuen Programme der Zentralbanken und des IWF bei Weitem nicht ausreichend erklärt werden, sodass es für Laien absolut nicht nachvollziehbar ist, welche echten Lösungen geboten werden. 

Ausmaß der Neuverschuldung könnte weiter zunehmen und lange anhalten

Sicherlich ist es aufgrund der aktuellen Coronakrise angeraten, dass der Staat Unternehmen und Bürger finanziell unterstützt. Dazu mag es sogar legitim sein, eine deutlich höhere Neuverschuldung in Kauf zu nehmen. Allerdings darf bezweifelt werden, dass sich dieser Zustand nach Ende der Krise in absehbarer Zeit wieder verändert. Bereits bekannte Ökonomen wie Milton Friedman waren der Auffassung, dass eine angeblich zeitlich befristete Maßnahme des Staates oft über einen sehr langen Zeitraum anhält. 

Es gibt in der Historie mehrere Belege für diese Vorgehensweise. Momentan scheint es nahezu kein Limit zu geben, was die weitere Verschuldung angeht. So hat beispielsweise der französische Staat bereits erklärt, dass für ihn die eigentlich als fix vereinbarten Stabilitätskriterien der Eurozone momentan nicht mehr gelten würden. Mit immer mehr Maßnahmen, die mehr Schulden zur Folge haben und der eigenen Währung enorm schaden legitimieren sich viele Staaten selbst. Auf Dauer kann das jedoch definitiv nicht die richtige Entscheidung und Lösung der wirtschaftlichen Probleme sein.

Goethe mit mehr Sachverstand als die Zuständigen heute?

Wie man eine deutlich bessere Geldpolitik betreiben kann, als es augenscheinlich die Verantwortlichen heute tun, zeigt der vor allem als Dichter bekannte Johann Wolfgang von Goethe. Dieser war zu seiner Zeit nicht nur Dichter, sondern sogar Finanzminister. In dieser Funktion rettete er während seiner Weimarer Zeit den Staat sogar vor der drohenden Pleite. Allerdings handelte er gänzlich anders als es heute der Fall ist. Statt weiter Schulden zu machen, reduzierte er die Staatsausgaben und senkte zeitgleich die Steuern für die Bürger.

Was kaum jemand im Kopf hat: Selbst in einem der berühmtesten Literaturwerke der Neuzeit, Goethes Faust (Faust II), gibt es eine sogenannte Papiergeldszene, die noch heute auf erschreckende Art und Weise aktuell ist. Kurz gesagt wurde innerhalb der Szene von Mephisto festgestellt, dass es der Wirtschaft an Geld fehlt, woraufhin frisches Geld gedruckt wurde, ohne über die Konsequenzen dieses Handelns nachzudenken. Diese Szene ist auch heute noch aktuell, weil den Zuständigen augenscheinlich seit Jahren nichts Besseres einfällt, als den Markt weiter mit Kapital zu überfluten. Die Rechnung wird aber ohne den Wirt gemacht. Die Folgen dieser Aktionen werden erst in den nächsten Jahren massiv zu spüren sein. Dann sind die meisten Verantwortlichen aus dem Schneider.

In schlechten Zeiten regiert die Hoffnung auf bessere Zeiten

Nicht wenige Kritiker sehen die aktuell schlechten Zeiten mit großer Sorge, insbesondere im Hinblick auf die fehlenden echten Lösungen von IWF & Co. Anscheinend ist es eine durchaus gewollte Strategie, einfach auf Besserung in der Zukunft zu hoffen, während die wirtschaftliche Realität dies eigentlich nicht erlaubt. Die im Grunde eigentlich sehr einfache Volkswirtschaftslehre wird aktuell teilweise ad absurdum geführt, wenn man sich die zum Teil eklatante Differenz zwischen Theorie und praktischem Handeln betrachtet. Die Leidtragenden könnten – wie oftmals in der Historie – wie alle sein, also die Bürger.

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.