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Überbewertung der Kapitalanlagemärkte auf dem Höhepunkt

Er ist nicht der einzige Experte, der von einer gewaltigen Blase spricht: Jeremy Grantham verortet einige triftige Gründe für einen Crash und rät dringend zur Umstellung klassischer 60/40-Portfolios. Er steht mit seiner Meinung nicht alleine, dass eine Korrektur unausweichlich ist – und gravierend ausfallen dürfte.

Mit Jeremy Grantham reiht sich ein weiterer erfahrener Börsenexperte in den Kreis der Stimmen ein, die vor einem drastischen Crash an den Märkten warnen. Doch derzeit üben sich vor allem die US-Anleger in Partylaune, sowohl der S&P500 als auch der NASDAQ Composite erklimmen weiter Rekordstände. Offenbar werden die steigende Inflation und die sich daraus ergebenden Folgen erfolgreich verdrängt. Doch die weiteren Anzeichen für eine gefährliche Blasenbildung sollten zur Vorsicht mahnen. Ein elfjähriger Bullenmarkt geht offensichtlich zu Ende – und die aufgeblähten Preise für Aktien, Anleihen sowie Immobilien und sogar Rohstoffe dürften für einen lauten Knall sorgen.

Bullenmarkt am Ende – wann platzt die Blase?

Der spekulative Höhepunkt war bereits Ende Januar 2021 erreicht, davon zeigt sich Grantham überzeugt – und genau deswegen warnt er bereits seit Anfang des Jahres. Doch er geht noch weiter, denn er sieht Unterschiede zum Frühjahrs-Crash 2020, der durch einen externen Impuls ausgelöst worden sei. Einem kurzen Schlag folgte eine steile Erholung. Im Gegensatz dazu sehen wir derzeit eine gigantische Blase: In zahlreichen Bereichen sei die Überbewertung nun auf dem Höhepunkt, das Kurs-Umsatz-Verhältnis übersteige sogar das Maximum während der Dotcom-Blase, die Überschuldung markiert ebenso Höchststände wie das Volumen der Call-Optionen und der Penny Stocks. Ein weiteres überzeugendes Indiz sieht Grantham im Anlegewert von Kryptowährungen: Dieses hat rund ein Billion US-Dollar Forderungen erreicht – tragen aber gar nichts bei.

Wieso ist die Blase also noch nicht geplatzt? Hier sieht Grantham verschiedene Gründe: Einerseits spielt hier das neu aufgelegte US-Stimulus-Programm, das sowohl in Bezug auf sein Ausmaß als auch auf seine Geschwindigkeit überraschte, eine Rolle, aber auch der Impffortschritt, der beruhigt – und die Blase vergrößert und stabilisiert. Doch auch die neue Anleger-Generation pusht die Situation: Sie nutzen ihre Apps, um ohne Vorkenntnisse oder Erfahrungen an den Märkten zu traden – und das in einer ausgesprochen verrückten Art und Weise. Da wird in Meme-Aktien investiert, weil es in oder lustig ist, aber auch in Kryptowährungen – ernsthaftes Investieren Fehlanzeige, trotzdem entsteht so eine milliardenschwere Marktkapitalisierung. 

Ein weiteres Ziel für Granthams Kritik ist die FED oder besser gesagt: deren Chefs. Diese hätten seit Paul Volcker, also seit 1987, die Risiken aufgeblähter Asset-Preise absolut unterschätzt. Im Gegenteil, Grantham bescheinigt den Verantwortlichen Ratlosigkeit. Er selbst würde in entsprechender Position dafür sorgen, den überzogenen Preisen sehr vorsichtig die Luft abzulassen. Nur so ließen sich die enormen Gefahren effektiv reduzieren. Und ein Blick in die Vergangenheit scheint ihm Recht zu geben.

Erste Signale: Parallelen zum Jahr 2000

Grantham betont, dass erste Warnsignale bereits zu hören wären: Vor dem Platzen der letzten drei relevanten Blasen in der Geschichte der USA sei in jedem Fall eine typische Phase vorausgegangen, in der aggressivere Assets schlechter abgeschnitten hätten als traditionelle Standardwerte. Im Jahr 2000 seien dies die Tech-Aktien gewesen, die in einem Zeitraum von fünf Monaten rund die Hälfte verloren hätten, der S&P500 sich aber seitwärts bewegt hätte. Auch jetzt ließe sich Ähnliches beobachten: Seit Februar haben die bedeutenden Wachstumsachten wie Tesla extrem an Wert eingebüßt. Noch klarer sei dies am Bitcoin abzulesen, der dem NASDAQ des Jahres 2000 extrem ähnelt: Im April noch auf einem Allzeit-Hoch war er zwischenzeitlich weniger als 50 Prozent wert. Ebenso präsentierte sich der NASDAQ im Jahr 2000, sechs Monate vor dem Crash brach der Kurs um 50 Prozent ein – ein perfekter Warnschuss!

Crash kündigt sich an – was tun?

Derzeit ist es für Anleger ausgesprochen schwer, effektive Schutzmaßnahmen zu ergreifen: Sämtlich großen Assetklassen sind bereits überteuert. Selbst das traditionell 60/40-Portfolio, das aus den entsprechenden Anteilen Aktien und festverzinslichen Assets besteht, ist gefährdet, laut Grantham sogar in einem besonderen Maße: Zinsen sind derzeit kaum zu erwarten – und die Aktien laufen Gefahr, kräftig zu korrigieren. Sein Rat lautet: Cash-Reserven anlegen, um flexibel zu bleiben, gleichzeitig große Aktienpakete anzulegen, die sich als Schnittmenge von Value-Aktien und Emerging-Markets präsentieren. Diese Sektoren wären vergleichsweise noch günstig und würden den S&P500 outperformen. Im Gegensatz dazu rät Grantham von Kryptowährungen derzeit ab. Es dürfte also in der nächsten Zeit turbulent an den Märkten werden, höchste Zeit, sich darauf vorzubereiten.

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.