1x1 der Finanzen Blog

Spielt die Beschaffenheit des Geldes eine Rolle für dessen Wert? Ist Gold eine echte Alternative zum Papiergeld?

Die meisten Wirtschaftswissenschaftler glauben, dass die Geldmenge in einem ganz bestimmten Verhältnis zur Güterproduktion stehen muss. Daher ist mit zunehmender Produktion auch mehr Geld in Umlauf zu bringen. Geschieht das nicht, so entsteht Geldmangel. Diese Auffassung ist genauso unsinnig, wie die Ansicht, man braucht nur die Eintragungen in die Grundbücher eines Landes zu vermehren, um die Wohnungsnot zu beseitigen. Es ist möglich reale Werte zu vermehren oder zu vermindern. Aber man kann kein abstraktes Recht verdoppeln oder halbieren. Und das Geld ist nichts anderes als ein beurkundetes Recht. Es ist das Recht auf eine Gegenleistung, dass sich jemand dadurch erwirbt, dass er eine Leistung erbringt.
Jeder Mensch der einen Tausch vorgenommen hat, die Gegenleistung aber noch nicht erhalten hat, besitzt Papiergeld. Er hat ein beglaubigtes Recht zur Erhebung des Gegenwertes. Und jedes Geldwertzeichen das im Land existiert, bedeutet, dass jemand einen Gegenwert, auf den er einen Anspruch besitzt, noch nicht in Empfang genommen hat. Daher kann es nicht „zu viel“ oder nie „zu wenig“ Geld geben. Es läuft immer genau so viel Geld in einem Land um, wie Tauschakte vorgenommen, aber noch nicht vollständig abgeschlossen sind. Denn das Papiergeld ist die Bescheinigung, dass ein Tauschakt erst zur Hälfte durchgeführt worden ist. Es ist zugleich das Rechtsdokument, dass seinen Inhaber zum Bezug dieser Gegenleistung legitimiert.

Die Geldmenge im Land muss immer genau so groß sein, wie die Summe aller noch nicht in Anspruch genommenen Gegenleistungen. Daher kann die Geldmenge seitens der Notenbanken nicht vergrößert oder verkleinert werden.

Jedes willkürlich neu erzeugte Geldwertzeichen bedeutet einen Rechtstitel zum Bezug einer Gegenleistung, obwohl niemals eine Leistung stattgefunden hat. Es bescheinigt einen in der Schwebe befindlichen Tauschakt, der in Wirklichkeit gar nicht stattgefunden hat. Es handelt sich somit um eine Fälschung. Umgekehrt bedeutet jede Verringerung des Geldumlaufes, eine Annullierung von erworbenen Rechten auf Gegenleistung und somit einen Enteignungsakt.

Wenn die Notenbank neues Geld schafft, so ermöglicht es dadurch eine große Zahl neuer Tauschakte. Tausende Marktteilnehmer, die vorher nicht kaufen konnten, können es jetzt. Es entsteht eine Nachfrage am Markt, welche die Produzenten zwingt, mehr Güter herzustellen. Die Folge ist eine Erhöhung des Bruttoinlandsproduktes. Der vermehrten Geldmenge steht also eine vermehrte Gütermenge gegenüber, so dass der im neuen Geld verkörperte Anspruch vollauf befriedigt werden kann. Stimmt das? Eine Notenbank, die eine Million Geldwertzeichen in Umlauf hat, gibt eine weitere Million aus. Wir stehen also vor der Tatsache, dass eine bestimmte Menge von Marktgütern, plötzlich einer doppelt so großen Nachfrage gegenübersteht, weil die alten und die neuen Geldwertzeichen das in ihnen verkörperte Bezugsrecht geltend machen. Es entsteht eine Konkurrenz um die Güter. Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass bei doppelter Nachfrage und gleichbleibendem Angebot die Preise der Waren steigen. Die Verdopplung der Geldwertzeichen führt dazu, dass die Marktgüter teurer werden. Das Resultat der Geldvermehrung ist, dass jeder Inhaber des alten Geldes bei seinen Einkäufen weitaus mehr bezahlen muss als früher. Wir müssen uns also mit der Tatsache abfinden, dass die Geldvermehrung die Preise steigert.

Das Geld ist ein Recht und soll kein Unrecht werden. Darum darf der Staat sich niemals die Freiheit herausnehmen, Geld nach Willkür schaffen oder vernichten zu wollen, denn er schafft oder vernichtet damit wohlerworbene Ansprüche auf Güter. Indem der Staat solche Geldzeichen herstellt, gibt er dem Einen nur, was er dem Anderen nimmt. Der Staat schafft, indem er Geldzeichen ausgibt, kein neues Papiergeld, sondern er besteuert den einen Teil der Bevölkerung zu Gunsten des anderen.

Das Geldwesen regelt sich automatisch. Für schöpferische Betätigung ist hier kein Platz, und es ist ein verhängnisvoller Irrtum, wenn zahlreiche Volkswirte glauben, das Geld sei ein Geschöpf der staatlichen Rechtsordnung. Es sieht derzeit in jedem Land so aus, als ob bei weitem zu wenig Geld vorhanden ist, gleichgültig, ob im Land 1 Million oder 100 Milliarden Geldzeichen im Umlauf sind.
Welchen Wert hat das Papiergeld?

Papiergeld ist nichts weiter als ein Recht zum Bezug von Gütern. Ein abstraktes Recht kann niemals einen konkreten Wert haben. Es kann wohl den Wert, den irgendeine Sache hat, von einer Person auf die andere übertragen, es kann die Besitzverhältnisse regeln, aber es kann den Wert nicht in sich selbst verkörpern. Wir dürfen uns nicht in die Irre führen lassen, dass es Geld einer bestimmten Art gibt, welches ungefähr den konkreten Wert hat, den es attestiert. Es gab in der Geschichte die deutsche Doppelkrone mit einem Bezugsrecht im Wert von 20 Mark. Diesen Wert hatte die deutsche Doppelkrone tatsächlich dank ihrer Beschaffenheit, weil sie aus Gold besteht. In diesem Fall ist es nicht das Geld, nicht das Güterbezugsrecht, das einen Eigenwert hat, sondern das Metall, auf dem durch die Prägung das Bezugsrecht bescheinigt ist. Sollte jemand zufällig noch eine Doppelkrone aus der damaligen Zeit besitzen, so kann er sofort die Probe aufs Exempel machen, indem er das Goldstück einschmelzen lässt. Wenn wir die Doppelkrone einschmelzen, ist es kein Geld mehr. Es hat dennoch denselben Wert wie früher, nämlich 20 Goldmark oder 4,75 Dollar. Die aus Papier bestehenden Zwanzigmarkscheine aus der Vorkriegszeit sind wertlos verfallen. Würde das Geld seinen Wert wirklich aus sich selbst, aus seiner Eigenschaft als Geld herleiten, so müssten die beiden Geldzeichen, die eins wie das andere 20 Mark darstellen, genau den gleichen Wert haben. Tatsächlich hat sich nur die Doppelkrone ihren alten Wert von 20 Goldmark=4,75 Dollar erhalten, weil sie seit jeher noch etwas anderes als Geld gewesen ist, nämlich Gold, d.h. eine Ware von ganz besonderer Wertbeständigkeit.

Die Frage nach dem Geldwert muss anders lauten: Wie groß ist der Güteranspruch, den das Papiergeld gewährleistet?

Geld verkörpert den aus einer Leistung entstandenen Anspruch auf gleichwertige Gegenleistung. Daraus ergibt sich, dass der Güteranspruch, den das Geld gewährleistet, genau so groß ist, wie der Wert der vorausgegangenen Leistung. Wenn es richtig ist, dass der „Wert des Geldes“ dem „Wert der Leistung“ gleichkommt, für die es sein Inhaber erhalten hat, so folgt daraus, dass es heute auf der Welt kein Geld mehr gibt. Es ist in der Tat so, dass heute kein richtiges, echtes Geld mehr existiert, d.h. ein Zahlungsmittel, dessen Hauptaufgabe darin besteht, den vollen Wert der Leistung bis zum Bezug der Gegenleistung zu konservieren. Viele Menschen sind heute der Meinung, dass Geld keinen Wert mehr hat. Sie meinen damit, dass das Geld seine Aufgabe, ihm den vollen Wert seiner Leistung bis zu dem Tage zu sichern, an dem er die Gegenleistung beansprucht, nicht erfüllt hat. Das Geld aber, dass diese Bestimmung nicht erfüllt, sondern den in ihm verkörperten Anspruch zusammenschrumpfen lässt, ist kein echtes Geld, sondern eine unvollkommene Geldimitation.

Und mit solchen Imitationen ist heute die ganze Welt überschwemmt.

Beitrag von 1x1 der Finanzen Blog teilen:
Foto des Autors

Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.