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Spekulationsblase – mittendrin statt nur dabei

Viele Experten warnen immer wieder vor sogenannten Spekulationsblasen. Ein Beispiel: „Wir sehen Anzeichen von Spekulationsblasen in mehr und mehr Märkten, wo wir das niemals erwartet hätten“, sagte Deutsche Bank-Chef John Cryan.

So hört man immer wieder, Aktien sollen übertrieben hoch bewertet sein. Doch woran erkennt man wirklich, dass wir uns in einer Spekulationsblase befinden? Ein Anzeichen dafür ist der sogenannte Buffett-Indikator. Investmentikone Warren Buffett ist der Meinung, dass man eine Spekulationsblase daran identifiziert, dass die gesamte Marktkapitalisierung der Aktien den Wert der jährlichen Wirtschaftsleistung übersteigt. Im Moment liegt der weltweite Börsenwert bei 96 Billionen Dollar. Völlig absurd sind aktuell beispielsweise die Bewertungen von E-Auto-Herstellern. Ein paar Beispiele gefällig? Der chinesische Hersteller „Evergrande Auto“ ist mittlerweile gemessen an der Börsenkapitalisierung schwerer als der US-Autobauer Ford – ohne bislang überhaupt ein Fahrzeug verkauft zu haben. Die gern als chinesische Tesla bezeichnete „Nio“, ein hoch defizitäres Unternehmen, wird aktuell mit mehr als dem 30-fachen Umsatz bewertet. Und Branchenprimus „Tesla“ erreicht mit 28 Mrd. Dollar Umsatz eine Börsenbewertung von über 800 Mrd. Dollar. Das erinnert stark an die Zeiten des „Neuen Marktes“ und des Internetbooms zur Jahrtausendwende.

Die Summe aller Bruttoinlandsprodukte (BIP) liegt deutlich unter den völlig abstrusen Aktienmarktbewertungen, bei etwa 83 Billionen Dollar.

Ein besonders verrücktes Beispiel für den Irrsinn, der derzeit an der Börse tobt, wurde durch eine Äußerung des Tesla-Gründers Elon Musk hervorgerufen. „Use Signal“ („Nutzt Signal“ – gemeint ist der Messenger-Dienst Signal), schrieb er seinen Followern.Viele Marktteilnehmer wollten in Erwartung steigender Kurse die Aktie des Unternehmens, welches den Messenger-Dienst betreibt, kaufen. Doch das Unternehmen ist gar nicht an der Börse notiert. Die Aktie existiert demnach nicht. Offenbar ignorierten eine große Anzahl der Investoren diese Tatsache und erwarben Aktien von Signal Advance, einem Technologie-Unternehmen, dass nichts mit der von Musk empfohlenen App zu tun hat. Viele uninformierte Käufer trieben den Kurs dieser Aktie innerhalb von wenigen Tagen um mehr als das Zehnfache in die Höhe. Ein untrügliches Zeichen für die fortgeschrittene Sorglosigkeit und Gier so mancher Marktteilnehmer.

Wie lange dieser Zustand noch anhalten wird ist natürlich nicht exakt vorhersagbar. Bleiben wir gespannt. Doch eines ist ganz sicher: Bisher hat jede Blase ihre Nadel gefunden.

Quelle: Fotolia (adobe stock)

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.