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Shrinkflation: Wie Unternehmen die hohen Teuerungsraten ausnutzen

Im August stieg die Inflationsrate in Deutschland auf 7,9 Prozent! Was im Alltag mehr als spürbar ist: Butter für 3 Euro, 1 Liter Superbenzin zum (fast) gleichen Preis und Stromkosten, die einem auch ohne Griff in die Steckdose die Haare zu Berge stehen lassen. Als wäre dieser erzwungene Teuerungsschub nicht schlimm genug, nutzen nicht wenige Unternehmen die aktuelle Situation dazu, kräftig daran mitzuverdienen. Das Kunstwort hierfür heiß „Shrinkflation“ – zu Deutsch: Schrumpf-Inflation. Was auf den ersten Blick lustig klingen mag, hat einen ersten Hintergrund und schadet den Verbrauchern.

Und keiner hat’s gemerkt

Böse Zungen behaupten, die Bundesregierung führt momentan einen Kampf gegen das deutsche Volk. Wer einen Blick auf die Kostenentwicklung fast aller Lebensbereiche wirft, könnte geneigt sein, dieser überspitzt formulierten Aussage zuzustimmen. Allerdings ist nicht nur Deutschland von den Auswirkungen der Sanktionen betroffen. Vielmehr haben alle europäischen Länder mit hohen Inflationsraten zu kämpfen – von Norwegen mit 6,79 % bis Portugal mit 9,1 % (jeweils Juli 2022).

Grundsätzlich sind Preissteigerungen in wirtschaftlichen Krisenzeiten wie der gegenwärtigen auch nicht ungewöhnlich. Was aber kaum jemandem auffällt, sind die spitzfindigen Machenschaften mancher Unternehmen, vor allem aus dem Lebensmittelsektor. Mit dem Ziel einer Umsatzsteigerung und Gewinnmaximierung werden mehr und mehr Produkte zum selben (oder einem nur unwesentlich höheren) Preis und in derselben Verpackung verkauft, haben aber deutlich weniger Inhalt. Die Folge: Solche Artikel sind in Wahrheit viel teurer geworden und keiner hat’s gemerkt!

Wo die Shrinkflation am häufigsten zum Einsatz kommt

Für Maßnahmen der Shrinkflation eignen sich vor allem Waren, bei denen die Verbraucher den gewöhnlichen Preis gut kennen. Das können Spülmaschinentabs ebenso sein oder eine Schachtel Teebeutel. Wichtig ist, dass der Kunde im Laden möglichst nicht direkt ins Innere des Kartons sehen und so auch nicht auf Anhieb erkennen kann, dass statt 30 Tabs jetzt nur noch 20 in der Packung sind. Angewendet wird die Shrinkflation zudem meist in Bereichen, in denen es einen starken Wettbewerb zwischen verschiedenen Marken gibt. Denn durch eine unmerkliche Reduzierung des Inhalts erscheinen die Produkte der Wettbewerber auf einmal deutlich teurer – und der Kunde entscheidet sich für die vermeintlich billigere Marke.

Wenn die Schokoladentafel plötzlich nicht mehr 100 Gramm wiegt

Bis vor einigen Jahren gab es eine EU-Richtlinie, wonach Schokoladentafeln ein bestimmtes Gewicht aufzuweisen hatten – bei einer klassischen Standardtafel waren das 100 Gramm. Seit der Abschaffung dieser Vorgabe nutzen immer mehr Hersteller die Möglichkeit einer geringeren Größe. So finden sich längst auch im Sortiment der lila-lustigen Marke mit der Kuh einige Tafeln, die nur noch 93 Gramm („Himbeere“), 90 Gramm („Triple Choco Kakao“) oder sogar nur 81 Gramm („Waves“) auf die Waage bringen. Es wäre sicher interessant zu ermitteln, wie vielen Kunden dies überhaupt schon einmal aufgefallen ist.

Was können Verbraucher gegen die Shrinkflation tun?

Damit Kunden möglichst nicht in die Shrinkflations-Falle tappen, gilt wie in vielen anderen Bereichen: Aufmerksam sein! Nicht blind glauben, was einem suggeriert wird. Stattdessen sollten Kunden es sich angewöhnen, immer einen Blick auf den sogenannten Vergleichspreis zu werfen. Einzelhändler sind seit kurzem nämlich in vielen Fällen dazu verpflichtet, neben dem Stückpreis immer auch den Preis pro Kilogramm oder Liter anzugeben. So können Verbraucher leicht erkennen, welches Produkt tatsächlich günstiger ist. Zudem kann es sinnvoll sein, sich beschwerdeführend an den Betreiber des jeweiligen Supermarktes oder an eine Verbraucherschutzorganisation zu wenden. Denn je mehr Menschen sich betrogen fühlen und über irreführendes Marketing oder bewusste Preismanipulationen beklagen, desto eher werden Unternehmen derartige Praktiken in Zukunft lieber unterlassen.

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.