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Oxfam Ungleichheit-Bericht: Soziale Schere geht weiter auseinander

Leider ist es nicht verwunderlich, dass der Eindruck zahlreicher Menschen nicht trügt, dass die sogenannte soziale Schere, die zwischen Arm und Reich, immer weiter auseinandergeht. Das ist sowohl national als auch erst recht global zu beobachten. Bestätigt wird diese Einschätzung jetzt vom Oxfam Ungleichheit-Bericht. Dieser zeigt deutlich, dass sich die sozialen Ungleichheiten extrem verstärkt haben, was insbesondere auf die Corona-Pandemie mit ihren entsprechenden Folgen zurückzuführen ist.

Worum handelt es sich bei Oxfam? 

Bevor wir in unserem ausführlichen Beitrag näher darauf eingehen, zu welchen Ergebnissen der Oxfam Ungleichheit-Bericht im Detail kommt und was mögliche Konsequenzen daraus sein können, möchten wir kurz erläutern, um wen es sich eigentlich bei Oxfam handelt. Bekannt wurde Oxfam als Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, die international tätig ist. Es gibt insbesondere ein Hauptziel der Organisation, welches allerdings leider kaum erreichbar sein wird: Gerechtigkeit und keine Armut rund um den Globus. 

Tätig ist die Organisation insbesondere in Krisengebieten und bei (Natur-) Katastrophen, um Leben zu retten und dabei zu unterstützen, einen Aufbau zuvor vernichteten Existenzen durchzuführen. Die Gründung der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation geht auf das Jahr 1942 zurück, sodass es Oxfam mittlerweile seit exakt 80 Jahren gibt. In der ersten Zeit gab es die Organisation nur im Gründungsland Großbritannien, während Oxfam mittlerweile zahlreichen Ländern tätig ist, seit 1995 auch in Deutschland.

Neben einer kurzfristigen Hilfe, beispielsweise durch sogenannte Oxfam-Shops mit Second-Hand Waren, ist die Organisation vor allem auf langfristige Hilfen ausgerichtet. Diese haben insbesondere die folgenden Ziele:

  • Förderung der Geschlechtergerechtigkeit
  • Möglichst für alle Menschen Land und Wasser verfügbar zu machen
  • Betreiben von Landwirtschaften, welche die Ressourcen schonen
  • Bildungszugang für alle Kinder/Erwachsene
  • Zugang zum Gesundheitssystem für möglichst alle Menschen

In dem Zusammenhang ist die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation äußerst aktiv mit zahlreichen Aktionen, die sich insbesondere an Politiker und die Wirtschaftsteilnehmer im Allgemeinen richten. Hier sind es zum Beispiel spezielle Kampagnen und sonstige Öffentlichkeitsaktionen, mit denen unter anderem auf die vorherrschende Ungerechtigkeit und das Ungleichgewicht in der Welt aufmerksam gemacht werden soll.

Grundlage für den aktuellen Oxfam Ungleich-Bericht

Der Anlass für den neuen Ungleichheit-Bericht war die virtuelle Tagung des bekannten  und umstrittenen Weltwirtschaftsforums, welches diesmal aufgrund der Corona-Pandemie nicht vor Ort in Davos stattfand. Die Ergebnisse des Vergleichsberichts unterstützen leider die Einschätzung zahlreicher Experten und Menschen, dass es auf der einen Seite immer mehr äußerst vermögende Personen gibt. Diesen stehen jedoch zunehmend Menschen gegenüber, die in Armut leben müssen. 

Besonders deutlich wird das Auseinanderdriften der Schere innerhalb der Corona-Pandemie, manchmal schon an einfachen Beispielen. Während hierzulande bereits über eine mögliche, vierte Impfung gegen das Coronavirus diskutiert wird, haben in zahlreichen Ländern noch nicht einmal 10 Prozent der Bevölkerung überhaupt eine Erstimpfung erhalten können. 

Eine Hauptursache für die weltweite, vor allem soziale Ungleichheit, wird im Wirtschaftssystem versehen. Dieses ist innerhalb des Kapitalismus darauf ausgerichtet, zum einen das Privateigentum zu schützen und zum anderen Anreize zu geben, möglichst viel Geld zu erwirtschaften. Dass dies oft auf Kosten anderer geht, ist in gewisser Weise dem System geschuldet, so Oxfam.

Einzelheiten zum Oxfam Ungleichheit-Bericht

Gehen wir nun etwas tiefer in die Materie, indem wir uns mit Einzelheiten aus dem aktuellen Oxfam Bericht zur weltweiten Ungleichheit beschäftigen. Eine markante Feststellung ist nicht verwunderlich, nämlich dass sich die ohnehin schon existierenden Ungleichheiten durch die Corona-Pandemie massiv verstärkt haben. Das zeigen eindrucksvoll unter anderem die folgenden Zahlen:

  • Anstieg des Vermögens der reichsten Menschen (mehr als 2.500 Milliardäre) von 8,6 auf 13,8 Billionen Dollar
  • Vermögensvermehrung innerhalb der Pandemie (Seit März 2020) damit so hoch wie zuvor innerhalb von 14 Jahren
  • Vermögenswachstum weltweit generell von 2019 bis 2021: 1%, Vermögenswachstum der reichsten Menschen gleichen Zeitraum: 14 %

Diese und andere Zahlen zeigen deutlich, dass nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderdriftet, sondern dies innerhalb der Corona-Pandemie extrem verstärkt worden ist.

Immer mehr Menschen unterhalb der Armutsgrenze

Eine weitere, ebenfalls unerfreuliche Entwicklung bezieht sich auf die Menschen, die in Armut leben müssen. Waren dies vor Beginn der Pandemie noch rund 3,2 Milliarden Personen, sind bis heute über 150 Millionen Menschen dazu gekommen. Dabei ist die Armutsgrenze ohnehin schon relativ niedrig angesetzt. Als arm gilt eine Person, die täglich weniger als 5,50 Dollar an Einkommen erzielt.

Schaut man sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie in wirtschaftlicher Hinsicht genauer an, so sind vor allen Dingen Frauen sehr negativ betroffen. Während die internationale Arbeitsagentur die Einschätzung gibt, dass im Jahre 2021 der Beschäftigungsgrad der männlichen Bevölkerung wieder auf dem Vor-Corona-Niveau angesiedelt ist, gibt es hingegen in der weiblichen Bevölkerung knapp 13 Millionen nicht erwerbstätige Frauen mehr. 

Extreme Unterschiede beim Zugang zur gesundheitlichen Versorgung

Momentan ist es eine der dringendsten politischen Gesundheitsaufgaben weltweit, möglichst viele Menschen mit den vermeintlich schützenden Corona Impfstoffen zu versorgen. Innerhalb des Oxfam Ungleichheit-Berichts zeigt sich deutlich, dass es krasse Gegensätze gibt, je nach Ländern und Regionen. Auf der anderen Seite ist die Zweiteilung auch in diesem Bereich von der wirtschaftlichen Potenz abhängig. Während es insbesondere in Nordamerika und Europa kaum Probleme gibt, alle Teile der Bevölkerung mit dem Impfstoff zu versorgen, stellt sich die Situation vor allen in den folgenden Ländern, Regionen und ganzen Kontinenten anders dar:

  • Teile von Südamerika
  • Afrika
  • Teilweise Mittel- und Ostrussland
  • Teile Asiens
  • Teile in Mittelamerika

Hierzulande und in anderen europäischen Ländern sowie in den Vereinigten Staaten und Kanada wird bereits über die vierte Corona-Impfung in Bälde diskutiert. Zahlreiche Länder können sich den Impfstoff hingegen schlichtweg nicht leisten, sodass dort teilweise nicht einmal 10 Prozent der Einwohner bisher ein Impfangebot erhalten haben. 

Während die Impfquote zum Beispiel in Nordamerika und West- sowie Mitteleuropa, China und Australien teilweise zwischen 80 bis 90 Prozent liegt bzw. leicht liegen könnte, belaufen sich die Quoten insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent im Durchschnitt lediglich zwischen 0 bis 20 %. Diese große Diskrepanz zeigt die Ungleichheit zumindest den Menschen in diesen Ländern ein Impfangebot zu machen.

Fehlende Bildungsgleichheit als weiteres Problem

Nicht nur die ungleichen Einkommensverhältnisse, den daraus resultierenden, wirtschaftlichen Folgen und der gesundheitlichen Auswirkungen durch die Corona Pandemie sind im Oxfam Ungleich-Bericht thematisiert. Ferner geht es um ein weiteres Ziel der Organisation, nämlich möglichst große Bildungsgleichheit zu schaffen. Leider ist die Entwicklung – ebenfalls vor allem durch die Corona Pandemie verschärft – in diesem Bereich ebenfalls negativ. 

Die ohnehin schon seit Jahrzehnten existierende Bildungskrise in weiten Teilen der Welt hat sich weiter verschärft. So sind es mittlerweile in den sogenannten einkommensschwachen Entwicklungsländern mehr als 50 Prozent aller Kinder und demzufolge später auch der Erwachsenen, die weder lesen noch schreiben können. Nicht unrealistische Prognosen sehen diesen Anteil sogar zukünftig fast oder sogar über 70 Prozent anwachsen.

Grund für die Bildungsungleichheit sind in erster Linie fehlende Investitionen in Bildungssysteme, die es in zahlreichen Ländern nicht gegeben hat oder aufgrund der mangelnden, wirtschaftlichen Leistung nicht geben konnte. Aktuell hat nach dem Ungleichheit-Bericht knapp ein Drittel aller Kinder weltweit nicht einmal einen Zugang zu eventuellen Bildungsangeboten, wie zum Beispiel per:

  • Internet
  • TV
  • Radio

Eine Ursache besteht auch hier zu einem großen Teil darin, dass sich solche Bildungsinvestitionen für Wirtschaftsunternehmen kaum bis gar nicht lohnen. Stattdessen steht die Gewinnmaximierung im Vordergrund und es wird lieber in Branchen oder Projekte investiert, die eine hohe Rendite versprechen. Wenn es jedoch um soziale Gleichheit und Bildung geht, dann dürfte die Gewinnerzielung eigentlich nicht im Vordergrund stehen. Soziale Chancengleichheit und Wirtschaftlichkeit sind dennoch zwei sich gegenseitige Polaritäten, die sich gegenseitig brauchen.

Was sind die Hauptursachen der existierenden Ungleichheiten?

Der Oxfam Ungleichheit-Bericht beschreibt nicht nur die existierenden Probleme und Ungleichheiten auf dem Globus, sondern beschäftigt sich ebenfalls mit den Ursachen und Gründen. Innerhalb des Berichts, in dem übrigens mehrfach vom sogenannten Ungleichheitsvirus gesprochen wird, kommen teilweise auch die folgenden Ursächlichkeitkeiten zum Vorschein:

  • Shareholder Value Prinzip
  • Gewinnmaximierung als Hauptziel der meisten Unternehmen
  • Soziale Projekte sind nicht wirtschaftlich (Investitionen lohnt sich nicht)
  • Wohlhabende Staaten tun wenig zur Beseitigung der Ungleichheiten

Privatwirtschaftlich betrachtet sieht die Organisation eine Hauptursache für die weltweite Ungleichbehandlung vor allem darin, dass die meisten Unternehmen ausschließlich nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung vorgehen. Das drückt sich zum Beispiel im sogenannten Shareholder Value Prinzip aus. Hier steht im Vordergrund, dass die Aktionäre stets eine möglichst hohe Dividende erhalten. 

Das Ziel ist wiederum meistens nur durch Kostenminimierung, den Abbau von Arbeitsplätzen und auf der anderen Seite möglichst hohe Gewinn zu erreichen. Die Unternehmen haben demzufolge unter anderem eine große Marktmacht zum Ziel, die sich jedoch nicht dadurch erreichen lässt, dass zum Beispiel gemeinnützige Projekte finanziert werden, die zumindest zu einer etwas geringeren Ungleichheit führen könnten.

Aber auch von staatlicher Seite aus gesehen gibt es zu einem großen Teil nicht ausreichend Hilfen und Unterstützung. Leider ist auch dafür die Corona-Pandemie ein praktisches Beispiel. Zwar wurde in den Medien bereits mehrfach darüber berichtet, dass die Impfstoffe auch ärmeren Ländern in deutlicher größerer Menge zur Verfügung gestellt werden sollten. Trotzdem sind zum Beispiel die europäischen Staaten vorrangig damit beschäftigt, sich bereits aufgrund ihrer Wirtschaftskraft Impfdosen für einen mögliche Viertimpfung zu sichern. Statt deutlich mehr Wert darauf zu legen, zum Beispiel Länder in Afrika zumindest mit so vielen Dosen zu versorgen, dass dort den Menschen ein Impfangebot gemacht werden kann.

Dabei nützt es auch nichts, wenn seitens der Politiker immer wieder proklamiert wird, dass es sich bei der Pandemie um ein globales Problem handeln würde und deshalb die ganze Welt mit ausreichenden Mengen an Impfstoff versorgt werden müsste. Diese Aussage ist zwar richtig, nur zeigen die Taten bisher ein anderes Bild auf. Würden tatsächlich so große Anstrengungen erfolgen, wären die seit über einem Jahr zur Verfügung stehenden Impfstoff Bestände in den beschriebenen Ländern und Kontinenten nicht so dramatisch gering, wie sie es momentan noch sind.

Hauptforderungen der Nothilfe- und Entwicklungshilfeorganisation

Im dritten Teil des Berichtes geht es nach dem Aufzeigen der Ungleichheiten und der Nennung der Ursachen darum, was sich zukünftig ändern müsste, damit die Hauptziele zumindest in etwas größerem Umfang erreicht werden können. Eine grundlegende Voraussetzung ist natürlich, die Wirtschaft insgesamt gerechter zu gestalten. Dort darf unbedingt der soziale Gedanke nicht fehlen, denn nach wie vor gibt es massive Ungleichheitsprobleme, die zuvor bereits ausführlich genannt wurden. 

Darüber hinaus stellt Oxfam unter anderem Forderungen an die Bundesregierung, die insbesondere in die folgenden Hauptthemen gegliedert sind:

  1. Impfgerechtigkeit
  2. Steuergerechtigkeit
  3. Konzernmacht brechen
  4. Gerechtes Wirtschaften

Das Thema in Impfgerechtigkeit ist selbsterklärend und im Bericht umfangreich erläutert. Hier geht es natürlich darum, möglichst vielen Menschen ein Impfangebot zu unterbreiten. Dafür wiederum ist es aus Sicht von Oxfam notwendig, als Erstes den Patentschutz für die entsprechenden CoVid19-Impfstoffe auszusetzen. Ferner muss es ein Ziel sein, den Transfer von Wissen und Technologien zu ermöglichen. 

Mit der Forderung nach Steuergerechtigkeit ist insbesondere gemeint, dass Großkonzerne und vermögende Privatpersonen mehr soziale Verantwortung übernehmen müssen und auch in entsprechende Projekte investieren sollten. Damit einher geht ein gerechtes Wirtschaften, was unter anderem dadurch geschehen kann, das Unternehmen in gewissem Umfang an das Gemeinwohl gebunden werden. Damit wiederum einher geht eine weitere Forderung, nämlich die Marktkonzentration abzuschaffen und eine Förderung durchlässiger Marktstrukturen vorzunehmen.

Fazit zum Oxfam Ungleichheit-Bericht

Der aktuelle Oxfam Ungleichheit-Bericht zeichnet leider ein düsteres, jedoch zutreffendes Bild der aktuellen Lage rund um den Globus. In vielen Bereichen herrschen deutliche Ungleichheiten zwischen den Menschen, was zum Beispiel den Zugang zum Wirtschaftsleben, Bildung und Gesundheitssystem angeht. Die Corona-Pandemie hat ohnehin bereits bestehende Defizite noch einmal wesentlich offensichtlicher gemacht. 

Grundsätzlich geht aus dem Bericht hervor, dass viele Missstände auf dem vorherrschenden Wirtschaftssystem der Industrienationen basieren. Nur wenn es dort gewisse Änderungen gibt, ist dem Ziel näher zu kommen, für etwas mehr Gleichgewicht und auch Gerechtigkeit rund um den Globus für viele Menschen zu sorgen. Ob Oxfam mit dieser Analyse des Pudels Kern getroffen hat bleibt offen.

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.