1x1 der Finanzen Blog

Nachhaltige Währungssysteme

Geld ist das zentrale Informationssystem in unserer modernen Gesellschaft, vergleichbar mit dem zentralen Nervensystem im menschlichen Körper. Eine Veränderung in der Natur unserer Währungssysteme hat das Potential zu einem fundamentalen Wandel in unserer Gesellschaft. Die heutigen Informationstechnologien ermöglichen neuen und unkonventionellen Komplementärwährungen eine Existenzmöglichkeit neben den bestehenden Währungs, die einer drastischen Veränderung bedürfen.
Das Informationszeitalter hat bereits das Monopol der konventionellen Währungen aufgehoben. So entwickelten sich beispielsweise die Bonusmeilen für Vielflieger zu einer Unternehmenswährung. Ursprünglich handelte es sich bei Bonusprogrammen um einen Marketingtrick, der die Kundenbindung stärken sollte. Heute hat jedoch jeder die Möglichkeit, Bonuspunkte oder Prämienmeilen zu erhalten und einzulösen. Gleichzeitig verwenden etwa viele Gemeinden in verschiedenen Ländern ihr eigenes Tauschmittel als lokale Komplementärwährung. Diese Systeme ergänzen die bestehenden Landeswährungen in einzigartiger Weise, da sie nicht darauf abzielen, diese zu ersetzen. Sie erfüllen Funktionen, denen konventionelle Geldsystem nicht gerecht werden können. Sie werden daher als „komplementär“ bezeichnet, da sie oft parallel zur Landeswährung verwendet werden.

Es ist daher wichtig, zwischen den verschiedenen Formen der
 gegenwärtigen Währungssysteme zu unterscheiden. Wir sind daran gewöhnt bzw. werden 
aufgrund der bestehenden Zahlkraftgesetze dazu gezwungen,
„Fiat“-Währungen als die einzige Form des „echten“ Geldes zu
betrachten. Bei „Fiat“-Währungen erklärt eine Autorität, anstatt
 nur für die Zusammensetzung oder das Gewicht einer
 Warenwährung zu garantieren, einfach etwas , was ansonsten
 wertlos wäre, zur Währung (Papierdollars). Solche Währungssysteme werden einfach durch diese Autorität aus dem Nichts geschaffen. Nur durch diese starke Institution kann unser derzeitiges Währungssystem funktionieren. Es ist erwiesen, dass dieses System das Konkurrenzdenken fördert und die Anhäufung von Reichtümern belohnt. Einige Eigenschaften nehmen wir als selbstverständlich hin, die grundsätzlich sehr merkwürdig sind. Es ist in unseren Augen normal, dass Geld Zinsen bringt, dass es seinen Wert nur behält, wenn es künstlich verknappt wird und dass die Benutzer miteinander konkurrieren, um es zu besitzen. Wechselseitige Komplementärwährungen sind zinsfrei, da sie von den Beteiligten selbst geschaffen werden, sobald bei einer Transaktion eine Einigung erzielt wurde. Sie sind immer in ausreichender Menge vorhanden und die Geschichte hat gezeigt, dass sie die Beteiligten zur Zusammenarbeit veranlassen, anstatt Konkurrenz zu schaffen.

Welche Funktionen erfüllt Geld?

  1. Tauschmittelfunktion
  2. Recheneinheitsfunktion / Wertmaßstab
  3. Wertaufbewahrungsfunktion

Um diese Eigenschaften zu erfüllen muss Geld die folgenden Eigenschaften besitzen: Transportierbarkeit, Teilbarkeit, Haltbarkeit, konstante Kaufkraft, Einheitlichkeit und allgemeine Annahmebereitschaft
Die Eigenschaften und Funktionen des Geldes können nicht mit einer Art von Geld erfüllt werden, da die verschiedenen Funktionen (Tauschmittel, Wertmaßstab, Wertaufbewahrung) sich in die Quere kommen („Ecology of Money“, Prof. Richard Douthwaite, 1999). Es gibt nicht das beste Geld und eine einzige Lösung. Um dieses Funktionen des Geldes wirksam erfüllen zu können, ist eine Kombination aus zwei verschiedenen Ansätzen, duales Währungssystem genannt, nötig.

Eine Kombination aus Landeswährung und Komplementärwährung ist für das nachhaltige Funktionieren einer Gesellschaft unverzichtbar.

Bei einer Landeswährung basiert die Geldschöpfung auf einer Hierarchie, die das Horten in Form dieser Währung fördert und der ungedeckten Ausweitung der Geldmenge keine Grenzen setzt. Eine stabile Landeswährung kann nur entstehen, wenn eine natürliche Geldmengenbegrenzung möglich bleibt. Die Rückkehr zu einer Warenreservewährung, deren Wert an eine Ware oder einen Warenkorb gebunden ist, scheint daher dringend notwendig. Nur durch die Deckung einer Papiergeldwährung mit endlichen Ressourcen sind dem ständigen Inflationierungsprozess Grenzen gesetzt.

Bei einer Komplementärwährung basiert die Geldschöpfung auf Gleichstellung. Sie schränkt das Horten von Geld durch Einführung einer „Anti-Hortungs-Gebühr“ ein und fördert die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten. Diese zeitgebundene Gebühr auf eine in Umlauf befindliche Währung funktioniert wie ein negativer Zinssatz. Ersparnisse können dann nur in anderer Form angelegt werden und nicht durch die Anhäufung des Tauschmittels.

Nachhaltige Währungssysteme bieten die Möglichkeit, materiell, emotional und spirituell zu wachsen und sich zu entfalten, ohne die Ressourcen der Zukunft zu vergeuden. Es geht darum, materielle Bedürfnisse so zu befriedigen, dass die Menschen ihr höchstes Potential entfalten können.

Die „Schule des Geldes“ setzt sich das ehrgeizige Ziel und möchten Menschen nicht nur dabei unterstützen, Ihre persönlichen Vermögenswerte wetterfest zu machen, sondern auch einen Beitrag zum Wiederaufbau einer wertorientierten Gesellschaft mit einem stabilen Währungssystem zu leisten. Die Vermögenssicherung erfüllt nur dann ihren Zweck, wenn der Einzelne in der langfristigen Wahrung und Mehrung der Werte einen Sinn erkennt.

Beitrag von 1x1 der Finanzen Blog teilen:
Foto des Autors

Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.