1x1 der Finanzen Blog

Gold ist Geld

Wir befinden uns in einem Zeitalter zunehmender Widersprüche. Einerseits ist die Angst vor der Veränderung so groß wie schon lange nicht mehr. Andererseits dominiert gerade im Westen die Vorstellung, dass wir in der „besten aller Welten“ leben. Einer der zahlreichen Widersprüche betrifft das Wirtschaftssystem und dessen Zustand. Zum einen scheint der westliche Wohlstand ungebrochen, zum anderen wird es für viele persönlich immer enger. Die von „Experten“ als „gefühlt“ belächelte Teuerung ist seit dem Umstieg auf den Euro für die meisten offensichtlich;  Krisenangst und Zukunftspessimismus nehmen gerade in Europa nach den Vorkommnissen der letzten Monate deutlich zu.

Es wäre manches besser in der Welt, wenn alle Menschen wüssten, was Geld ist und wie es funktioniert. Denn nicht nur wirtschaftliche Störungen wie Krisen, Kreditnot, Teuerung, sondern auch soziale Übel, wie Klassengegensätze und Massenverelendung, ja sogar politische Katastrophen wie Krieg und Revolutionen haben ihre Wurzeln in der allgemeinen Unkenntnis von der Funktionsweise des Geldes.

Geld war und ist noch immer Gegenstand unzähliger Irrtümer. Ein häufiger Vorwurf lautet: Das Geld verdreht den Menschen den Kopf. Es macht ihn zu einem raffgierigen Egoisten. Das rücksichtslose Profitstreben und der Zins höhlen die Gesellschaft innerlich aus. Unausweichliche, immer wiederkehrende Wirtschaftskrisen bringen die Welt an den Rand des Zusammenbruchs.

Das Problem ist nicht das Geld. Sondern die Verbreitung von falschen Informationen über Geld und Wirtschaft. Für jeden Menschen offensichtlich steht heute im Vordergrund unseres gesellschaftlichen Lebens nicht mehr der harmonische Austausch von Gütern und Dienstleistungen und die daraus resultierende und für beide Seiten vorteilhafte Kooperation. An dessen Stelle ist das mit der Umverteilung einhergehende Gewinner/Verlierer-Denken getreten. Das ist der Auslöser unserer heutigen konfliktschürenden und neidstiftenden Gesellschaft. Wo früher jeder der Bäcker seines eigenen Stück Kuchens war, drängen sich heute immer mehr unproduktive Bürokraten, Pseudounternehmer und Politikdarsteller mit dem erhobenen Zeigefinger der Macht in die Backstube und bestimmen die Neuverteilung des fortwährend schrumpfenden Wohlstandskuchens. Der vielbeschworene Klassenkampf wird zur sich selbsterfüllenden Prophezeiung. Mit dem Unwort „sozial“ getarnt, findet das Gewinner/Verlierer-Denken in der Umverteilungspolitik seinen Platz.

Doch eines ist absolut sicher. Die Politik und die mit ihr Hand in Hand gehende Wirtschaftswissenschaft kann sich nicht dauerhaft über die Menschen hinwegsetzen und den materiellen Wohlstand per Knopfdruck mehren.  Durch die Entkoppelung des Geldsystem vom Wirtschaftssystem gibt es nur noch eine Komponente, die das System zusammenhält. Vertrauen. Wenn das Vertrauen der kritischen Masse verlorengegangen ist, dann sollte man sich besser in Deckung begeben. Insbesondere die Manipulation des Geldes wird sich für uns alle in naher Zukunft bitter rächen.

Viele Krisenpropheten verstärken mit ihren Argumenten, wonach sich in der Krise nur die Schnellen und Klugen retten werden können, das Win-Lose-Denken. Wohlgemerkt, mit ihrer ökonomischen Bestandsaufnahme liegen die Krisenpropheten meist ziemlich richtig. Allerdings darf eine langfristige Krisenvorsorge nicht nur nach dem schnellen Krisengewinn schielen, sondern muss sich intensiv mit Vermögenssicherung der bisher geschaffenen Werte und vor allem intensiver finanzieller Bildung beschäftigen, um die alten Fehler nicht wieder in einem anderen System zu wiederholen.

Das Hauptziel der meisten Menschen ist das Leben in Wohlstand. Doch wie sieht ein zeitgemäßer Weg zum Wohlstand denn überhaupt aus? Definieren wir zunächst den Begriff „Wohlstand“: Wenn die Einnahmen nachhaltig größer sind als die Ausgaben sprechen wir von Wohlstand. Wie kann das im Leben realisiert werden?    Welche Möglichkeiten stehen überhaupt zur Verfügung. Nimmt man eine grobe Einteilung vor, dann kann man Investitionsmöglichkeiten in drei Gruppen einteilen. Geldwerte, Sachwerte und Wahre Werte. Geldwerte sind alle in Geld ausgedrückte Zahlungsversprechen. Versicherungen, Bausparkonten, Sparbücher, Festgelder, Währungen. Wichtig hierbei ist jedoch, dass man bedenkt, dass es sich hier eigentlich um gesetzliche Zahlungsmittel handeln sollte. Sachwerte sind Wertobjekte, die für sich allein betrachtet einen Wert darstellen. Dazu gehören Gold und Immobilien. Mit Sachwerten erzeugt man Geldwerte. Wahre Werte sind Werte, mit denen man Sachwerte und Zahlungsmittel produzieren kann. Dazu gehören Rohstoffe, Produktionsanlagen und Wissen. Das ist die Königsdisziplin. Leider liegt heute der Focus der meisten Anleger auf den Geldwerten.

Wie sieht denn in der Praxis die Anlageverteilung aus? Beginnen wir bei den Zahlungsmitteln. Hier sollte ein Mix aus verschiedenen Währungen in Form von Bargeld bzw. in Form von Währungskonten gehalten werden. Sinnvoll sind Schweizer Franken, Norwegische Krone, Britisches Pfund, US-Dollar sowie Euro. Alle anderen Geldwerte und Zahlungsversprechen (Auszahlungsversprechen) wie z.B. Lebensversicherungen, Bausparverträge, Festgelder, Sparbücher und Investmentfonds sollten vermieden werden. Bei den Sachwerten ist der direkte Besitz von Immobilien der sicherste Weg. Vermeiden Sie hier Beteiligungsmodelle. Gleiches gilt für Gold. Bei den Wahren Werten macht es Sinn sich mit den Industriemetallen Silber, Platin und Palladium zu versorgen. Die Investition in energieerzeugende Anlagen ist ein absolutes Muss. Das letzte Puzzleteil, aus meiner Sicht aber das Wichtigste, ist das Wissen.   Der Mensch kann den Anforderungen des Alltages nur dann erfolgreich begegnen, wenn er sich Wissen aneignet. Er kann Schaden und Fehler vermeiden, wenn er nur gut genug auf die Alltagsprobleme vorbereitet ist. Ein sehr gutes Ergebnis wäre es, wenn der Mensch eine gute Allgemeinbildung hätte, handwerkliche Fähigkeiten, gute Umgangsformen sowie ein hohes kommunikatives Niveau. Zusammenfassend lässt sich folgendes sagen: Geldanlage in der heutigen Zeit umfasst die drei Bereiche Geldwerte, Sachwerte und Wahre Werte. Das Anlageportfolio sollte aus allen drei Bausteinen bestehen. Bargeld bestehend aus diversen Fremdwährungen kombiniert mit Gold, Silber, Platin und Palladium möglichst in kleinen Stückelungen und auf verschiedene Lagerorte verteilt (siehe Exkurs Edelmetallkauf), Immobilien im direkten Eigentum (eigengenutzt und fremdvermietet), energieerzeugende Anlagen und Wissen (finanzielle und persönliche Bildung). Das Ergebnis dieser Anlageaufteilung ist Wohlstand in jeder Lebenslage. Mit und ohne Krise. Die Rückkehr der Einfachheit.

Exkurs Edelmetallkauf

In welcher Form soll in physisch existierendes Gold investiert werden? Mit dieser Frage wird der geneigte Goldinvestor sicher irgendwann einmal konfrontiert. Hierzu gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder möglichst große Stückelungen zu erwerben oder sich mehr auf kleine Stückelungen im unteren Grammbereich zu fokussieren. Natürlich ist der Erwerb größerer Stückelungen preislich günstiger. Bettet man den Edelmetallkauf jedoch in ein großes Ganzes ein, dann müssen weitere Überlegungen angestellt werden.

„Gold ist Geld und nichts anderes.“ J.P. Morgan
Dieses Zitat von J.P. Morgan zeigt aus meiner Sicht das wahre Wesen und den Charakter des Goldes. Nehmen wir einmal an, dass das Zitat stimmt. Stellt sich automatisch die Frage, was Geld ist und welche Eigenschaften es aufweisen muss. Hier fallen mir folgende Punkte ein:

Kompaktheit
Die Kompaktheit bezeichnet ein optimales Verhältnis zwischen dem Gewicht und dem Wert des Geldes. Das Geld sollte klein genug sein, um es leicht aufbewahren und mit sich führen zu können. Gleichzeitig sollte es ausreichend wertvoll sein, um sich dafür etwas Wertvolleres kaufen zu können.

Teilbarkeit
Die Teilbarkeit ist wichtig, denn auf diese Weise können wir die unterschiedlichsten Preise bezahlen und erhalten Wechselgeld. Dieses Wechselgeld behält immer noch die Eigenschaft der Teilbarkeit. Diamanten haben diese Eigenschaften nicht. Würde man einen Diamanten teilen, dann würde man ihn zerstören.

Austauschbarkeit
Tauscht man einen 100-Euro-Schein gegen zehn 10-Euro-Scheine, dann hat man weder was gewonnen noch verloren, solange der Geldwert identisch bleibt. Geld ist sehr flexibel, denn man kann damit bezahlen, es wechseln oder gegen weniger größere oder mehrere kleinere Werte eintauchen.

Begrenztheit
Die Begrenztheit bezeichnet den Fakt, dass immer nur soviel Geld in Umlauf sein kann, wie Leistungen (Produktion von Waren und Dienstleistungen) in einer Volkswirtschaft erbracht  wurden. Wenn Notenbanken mehr Geld in Umlauf bringen als Waren und Dienstleistungen erbracht wurden, dann kommt es zu einer Inflation. Die Folge ist eine Entwertung des Geldes. Waren und Dienstleistungen werden teurer. Die Begrenzung von Geld macht es so wertvoll.

Haltbarkeit
Geld ist haltbar. Es behält seinen Wert, wenn es nicht manipuliert wird. Der Begriff der Währung drückt es eindeutig aus. Währung stammt vom Wort bewahren ab. Was soll bewahrt werden? Die Kaufkraft.

Eine Investition in Gold müsste demnach diese fünf Eigenschaften berücksichtigen. Kompaktheit, Austauschbarkeit, Begrenztheit und Haltbarkeit sind die natürlichen Eigenschaften des Goldes. Die Eigenschaft der Teilbarkeit kann mit einem Kilobarren schwerlich umgesetzt werden. Dazu ist es notwendig, sich mit kleineren Stückelungen auseinanderzusetzen. Möchte man bei der Investition in Gold den Geldcharakter bewahren, dann ist es unabdingbar, sich kleinere Stückelungen zu zulegen.

Beitrag von 1x1 der Finanzen Blog teilen:
Foto des Autors

Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.