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Erkenne dich selbst und spare jetzt

„Erkenne dich selbst“ soll einst über dem Orakel zu Delphi gestanden haben. Diese Grundmaxime der antiken Philosophie war als eine Ermahnung an den Menschen gedacht. Es ist die Aufforderung, sich nicht in Worte, Äußerlichkeiten und  den hedonistischen Lebensstil zu verlieren, sondern das eigene Mindset seines Lebens, sein Tun und Nichttun sorgfältig in den Blick zu nehmen. 

Eine sehr wichtige Grundüberzeugung im Leben, mit dem sich die wenigsten Menschen gerne beschäftigen ist das Thema „Sparen“. Dabei kann es relativ einfach sein, sich ein Vermögen aufzubauen, wenn man das eigene Potenzial erkennt und über Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten im Umgang mit Geld Gewissheit erlangt. Um richtig zu sparen, solltest du vor allem eines sehr genau kennen: dich selbst.

Wer früh anfängt, wird langfristig belohnt

Du kennst sicherlich das Problem mit dem inneren Schweinehund. Dieser wird nicht nur beim Sport aktiv und denkt sich: Warum jetzt sofort anfangen, wenn ich das auch noch morgen tun kann? Auch beim Sparen neigen manche Personen dazu, alles auf später zu verschieben. Dabei ergibt es durchaus Sinn, jetzt sofort Pläne zu schmieden und diese in die Tat umzusetzen. Ein Fakt ist in diesem Kontext nämlich unumstößlich: Je früher man mit dem Sparen anfängt, desto eher wird es sich auszahlen.

Das Leben der meisten Menschen bietet jeden Tag so viele Optionen, um Geld auszugeben, dass das Sparen alles andere als leichtfällt. Heute noch dies oder jenes kaufen, weil es schließlich im Angebot ist? Diesen Denkansatz solltest du dir abgewöhnen, um langfristig ein Vermögen aufzubauen. Damit das klappt, solltest du deine eigenen Denkmuster kennen und dich quasi selbst „entlarven“, sobald der innere Schweinehund sich ankündigt. Unangenehme Dinge werden generell gerne nach hinten verschoben. Gewöhne dir diese Art am besten sofort ab. Kümmere dich gleich um das Thema Sparen bzw. Geldanlage, denn es wird kein passenderer Moment kommen.

Wie das Gehirn funktioniert

Dass du das Sparen nach hinten verschieben möchtest, ist völlig normal. Manche bezeichnen diese Verhaltensweise scherzhaft als „Aufschieberitis“. Dieses Denkmuster greift nicht nur, wenn es um Geldthemen geht, sondern auch beim Aufräumen, beim Bearbeiten der Steuererklärung oder – im Fall von Schülern bzw. Studenten – beim Lernen. Geht es um komplizierte Dinge, in welche man sich zuerst einarbeiten muss, möchte man diese lieber später tun. Gerade dann, wenn es um das schwierige Thema Altersvorsorge geht, denken sich viele junge Menschen: Bis ich in Rente gehe, wird es noch sehr lange dauern. Warum also jetzt gleich damit beschäftigen? Falls du diesen Gedanken kennst, lass dir gesagt sein: Je früher du anfängst, desto entspannter kannst du die ganze Sache angehen.

Führe dir vor Augen, dass du in finanzieller Hinsicht viel mehr Freiheiten hast, wenn du jetzt mit kleinen Beträge ganz ungezwungen anfängst. Bist du schon 50 oder gar noch älter, ist das Sparen immer noch sinnvoll. Allerdings wird es dann immer schwieriger, sinnvoll vorzusorgen. Wenn der zeitliche Druck steigt, geht der Spaßfaktor ohnehin verloren. Das kannst du dir durch frühes Anfangen ersparen.

Menschen sind niemals vollständig rational in ihrem Denken, sondern Emotionen schwingen immer mit. Deshalb kann man sich oftmals nicht zu Dingen aufraffen, die eigentlich sofort getan werden sollten. Kaum jemand kann sich vorstellen, was es konkret bringt, wenn man heute zum Beispiel jeden Monat 100 Euro für das Alter weglegt. Versuche, dir die Vorteile so konkret wie möglich auszumalen. Ein schönes Zuhause, Reisen, gutes Essen und das alles ohne Sorgen vor Geldnot im Alter? Jetzt wird das Bild vielleicht schon greifbarer. Das Resultat: Deine Motivation für das Sparen steigt.

Bist du anfällig für die Prokrastination?

Was wir weiter oben scherzhaft Aufschieberitis genannt haben, heißt eigentlich „Prokrastination“. Hier handelt es sich um den Drang, unangenehme Dinge aufzuschieben und zu verdrängen. Aber wie stark betroffen bist du als Einzelperson von dieser Sache?

Stelle dir einmal die folgende Frage: Vergleichst du Preise und Angebote sowie Mengen im Supermarkt lange miteinander? Oder schlägst du direkt zu, wenn dir etwas gefällt? Bist du weniger wählerisch und wägst nicht lange vor Entscheidungen ab, so gehörst du wahrscheinlich zur Gruppe der „Statistiker“. Diese neigen nicht so sehr zur Prokrastination. Sie sind optimistisch und bereuen bestimmte Entscheidungen im Nachhinein seltener.

Falls du Dinge erst von verschiedenen Stellen beleuchtest, um dich dann zu entscheiden, gehörst zu den Perfektionisten oder auch Maximierern. Diese sind öfter unsicher oder spüren Stress im Alltag, weil sie kaum etwas auf die leichte Schulter nehmen. Das gilt natürlich nicht nur für das simple Beispiel des Einkaufens, sondern unter anderem bei Aktienfonds. Gehörst du zu dieser Gruppe, wird dir kein Fonds, Sparplan oder ein anderes Finanzprodukt auf lange Sicht gut genug sein. Geht es um große Anschaffungen, wie zum Beispiel den Kauf eines Hauses, wird es noch komplizierter.

Sobald ein gewisser Druck entsteht, wirst du dich für eine Option des Sparens entscheiden können – und das gilt unabhängig davon, ob du zu den Maximierern oder zu den Satisfizierern gehörst. Allerdings hast du dann den Vorteil, dich genau zu kennen und das Sparen daher sachlicher und weniger emotional in die Hand zu nehmen. Zudem gilt: Habe Nachsicht mit dir selbst, aber werden bald aktiv!

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.