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Rohstoffe vs. Standardwerte

Die Bewertung der Rohstoffaktien (Energie- und Metallaktien) im Vergleich zu den Standardwerten ist im März 2020 auf den tiefsten Stand innerhalb der letzten hundert Jahre gefallen. Zu den Standardwerten gehören Aktien umsatzstarker, internationaler Unternehmen mit hohem Börsenwert. In der Vergangenheit ist auf einen solchen Tiefstand eine Rohstoff-Hausse mit hohen Inflationsraten gefolgt. Rohstoffaktien sind im Vergleich zu anderen Wertpapieren volatil. Denn der Wert eines Rohstoffunternehmens hängt stark von den aktuellen Rohstoffpreisen ab und der Preis für Gold sowie Silber ist deutlichen Schwankungen unterworfen. Verstärkt wird die Volatilität durch Über- und Unterbewertungen der Rohstoffunternehmen. Auch das starke Geldmengenwachstum könnte die Preise weiter antreiben. Einige Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass uns nun eine globale Inflation bevorsteht, möglicherweise die stärkste Preisniveausteigerung seit einem Jahrhundert.

Beim Rückblick auf die Entwicklung der Rohstoffaktienbewertung in den vergangenen 100 Jahren ragen drei Tiefpunkte heraus. Erstmals sanken die Rohstoffaktien im Jahr 1929 auf einen Tiefstand. Es war die Zeit der Weltwirtschaftskrise. Der endgültige Tiefpunkt wurde vier Jahre später erreicht. Von da an setzte eine Rohstoff-Hausse ein, die einen Inflationszyklus auslöste. In 1951 erreichten die Rohstoffaktien den Höchststand. Zu dieser Zeit war die Goldfixierung des US-amerikanischen Dollars noch gegeben. Im Zuge des „New Deal“ des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt wertete der Dollar ab. Der Präsident hatte 1933 eine Durchführungsverordnung zum amerikanischen Goldverbot erlassen. Im Zeitraum von 1933 bis 1951 legte der Preis des begehrten Edelmetalls um 75 Prozent zu, was im historischen Vergleich einem noch moderaten Anstieg entspricht. Der nächste Tiefpunkt bei den Rohstoffwerten war im Jahr 1971 erreicht. Auch dieser leitete eine Gold- und Rohstoff-Hausse ein. Im Zyklus von 1971 bis 1980 stieg der Goldwert um 2.400 Prozent. Die Ölkrise trug dazu bei, dass das Edelmetall als sichere Anlage gefragt war. Dies verstärkte den Aufschwung des Goldpreises. Auf einen dritten historischen Tiefpunkt fielen die Rohstoffaktien im Jahr 1999. Der bekannte Effekt trat ein: Im Zeitraum von 1999 bis 2011 wuchs der Goldwert um 700 Prozent. In diesen Zyklus fiel das Platzen der Internetblase, die Bankenkrise und die daraus resultierende Weltwirtschaftskrise. Das Jahr 2020 markiert einen vierten Tiefpunkt der Rohstoffaktien. Der Kurs der drei bisherigen Minimalwerte wurde noch einmal unterboten. 

Ein weiterer Frühindikator für die Inflationsrate ist das Geldmengenwachstum. Steigt die Geldmenge deutlich stärker als das reale Bruttoinlandsprodukt, führt dies zum Anstieg der Investitions- und Konsumgüterpreise jenseits der Toleranzgrenze von zwei Prozent. Die Voraussetzungen für eine solche geldmengeninduzierte Inflation sind gegenwärtig erfüllt. Denn seit vielen Jahren betreiben die Zentralbanken im Euro- und Dollarraum eine expansive Geldpolitik. Bei der Geldmenge wird je nach dem Grad der Liquidität zwischen M1, M2 und M3 unterschieden. Zur Geldmenge M2 zählen Bargeld, Sichteinlagen, Termineinlagen und Einlagen mit einer Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten. Das Wachstum von M2 in den USA ist mit über 20 Prozent aktuell so hoch wie zuletzt vor 150 Jahren. Damals kam es durch die Einführung des „Papier-Greenback“ zur Hyperinflation. Während der 1970er Jahre war das Wachstum von M2 in den Vereinigten Staaten mit zeitweise 10 bis 15 Prozent ebenfalls relativ hoch. Zeitversetzt stieg die Inflationsrate im US-Dollarraum auf bis zu 15 Prozent. Diese historische Einordnung begründet die Prognose vieler Wirtschaftsexperten bezüglich einer bevorstehenden weltweiten Inflation.

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.