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Investmentfonds – es ist nicht alles Gold was glänzt

Weltweit existieren 122.528 regulierte offene Investmentfonds mit einem Volumen von fast 55 Billionen US-Dollar (Quelle: Statist; Stand Ende 2019). In Deutschland sind Ende März 2020 die drei größten Assetklassen Aktienfonds (324 Mrd. Euro), Rentenfonds (201 Mrd. Euro) und Mischfonds (275 Mrd. Euro). Aktienfonds sind also die derzeit beliebteste Fondskategorie der sonst so sicherheitsorientierten deutschen Anleger.

Womit haben Sie es hier also zu tun? Bei einem Aktienfonds handelt es sich zunächst einmal um ein Sondervermögen einer Gesellschaft für Kapitalanlagen, dass dieser mehrheitlich oder ausschließlich in Aktien von Unternehmen investiert. Bei Rentenfonds wird in Anleihen diverser Emittenten investiert. Die immer beliebter werdenden Mischfonds stecken das Geld der Anleger oft gleichzeitig in Aktien und Anleihen, um das Risiko des Fonds noch weiter zu senken. Grundsätzlich können das Aktien und Anleihen aller Unternehmen weltweit sein, die an der Börse gelistet sind.

Fondsanleger können ihre Fondsanteile jederzeit ohne Frist zum aktuellen Rücknahmepreis verkaufen.

Jede Anlage von Geld am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken verbunden. Daher ist es für den geneigten Investor unabdingbar, sich mit den Risikohinweisen der Branche auseinanderzusetzen und eine individuelle Einschätzung dieser möglichen Wagnisse vorzunehmen. Der Wert von Fondsanteilen unterliegt am Kapitalmarkt Schwankungen. Die Kurse der Anlagen können steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Allgemeine Risiken sind beispielsweise das Konjunkturrisiko, Inflationsrisiko, Länderrisiko, Zahlungsverkehrsrisiko, Währungsrisiko, Volatilitätsrisiko, Zinsänderungsrisiko, Liquiditätsrisiko, Kontrahentenrisiko, Replikationsrisiko, Kostenrisiko, Kursaussetzungsrisikosteuerliche Risiken etc.

Man kann das Risiko eines Investmentfonds dadurch einschätzen, indem man in das Anleger-Informationsblatt (Key-Investor-Information-Document kurz KIID) schaut. Das Gesetz sieht hier transparente Risikoklassen von 1 bis 7 vor, in die man die Fonds als Emittent einzustufen hat. Die Risikoklasse 7 entspricht dabei dem höchsten Risiko, eine Risikoklasse 1 enthält das niedrigste Risiko. Dabei geht der Gesetzgeber davon aus, wie sehr der Kurs des Fonds schwanken kann, also wie “volatil” der Fonds ist. Leider richtet man sich hier hauptsächlich nach dem Volatilitätsrisiko. Ein Anlage wird also als weniger riskant eingestuft, wenn sie nur geringen Schwankungen unterliegt. Das Risiko eines großen Verlustes wird dadurch jedoch nicht erfasst. Nassim Taleb, Autor der Weltbestseller „Der Schwarze Schwan“ und „Antifragilität“ beschrieb dieses Vorgehen, nachdem sich Anleger auf Strategien verlegen, die sehr wenig Volatilität produzieren, aber das Risiko eines großen Verlustes mit sich bringen, wie das Aufsammeln von Kleingeld vor Dampfwalzen. Taleb weiter: „Die Leute hassen Volatilität und benutzen daher Strategien, bei denen sie alles verlieren können, was dann gelegentlich zum Selbstmord führt.“ Dieses Vorgehen der Branche hinterlässt Dynamit in den Händen von Menschen, die keine Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff haben. Die große Mehrheit der Menschen hat keine Ahnung vom Risikobegriff. Im Risikogeschäft gibt es keine Fachleute. Denn in sich ständig verändernden komplexen Systemen gibt es keine Experten. 

Kurse entwickeln sich langfristig tendenziell nach oben. So das Mantra der Investmentszene. Auch, wenn die Kapitalmärkte von sogenannten „Schwarzen Schwänen“ immer wieder heimgesucht werden, regenerieren sie sich wieder und kommen über das Level von zuvor hinaus. Für Kurse und Preise, die in einer ungedeckten, sich ständig verändernden Papiergeldwährung bemessen werden, mag diese Aussage der langfristig steigenden Kurse durchaus stimmen. Ist es doch vor allem dem inflationierten Zahlungsmittel zu verdanken, dass Preise und Kurse per se steigen müssen. Es sind jedoch meist keine fundamentalen Gründe, die Kurse steigen lassen. Sondern die Auswahl des falschen Maßstabes. Kein Handwerker würde auf die Idee kommen einen Maßstab wie beispielsweise einen Zollstock zu verwenden, der sich ständig verkürzt. Setzt man diesen ständigen Kürzungen unterliegenden Maßstab jedoch zum Messen von Möbelstücken ein, ergibt sich der Eindruck, dass das Möbelstück ständig größer wird. Obwohl eigentlich nur der Maßstab verkürzt wird. Dieses Phänomen können wir auch auf die Aktienmärkte anwenden. Auf dem Papier des Depotauszuges sieht es für den Anleger so aus, als ob er ständig reicher wird. Denn die Zahlen seines Depotbestandes werden größer. Mit einem Maßstab errechnet, der sich ständig verkleinert. Würde man den Aktienmarkt mit einem anderen Maßstab bewerten, wie zum Beispiel das von mir favorisierte Gold, ergäbe sich ein vollkommen anderes Bild über den Zustand des untersuchten Anlagemarktes. Schauen wir auf den EUROSTOXX 50. Dabei handelt es sich um einen Aktienindex, der sich aus fünfzig großen börsennotierten Unternehmen des Euro-Währungsgebietes zusammensetzt. Die Entwicklung dieses Index seit dem Jahr 1990 kann sich auf dem Papier durchaus sehen lassen. Immerhin schlagen hier 6,25 Prozent Preissteigerung pro Jahr zu Buche. Betrachtet man nun den gleichen Index unter Zuhilfenahme eines stabileren Maßstabes als ungedecktes Papiergeld, so gelangt man zu einem anderen Ergebnis. Laut der Webseite „PricedinGold.com“ hat der EUROSTOXX im gleichen Zeitraum in Gold gemessen eine jährlichen Verlust  Ein Verlust des Geldes durch Insolvenz des Emittenten, also der Fondsgesellschaft, müssen Anleger nicht befürchten. Denn das, was Investoren in den Topf einzahlen, ist als Sondervermögen zu behandeln sowie unter staatlicher Aufsicht zu verwalten (Kapitalanlagen-Gesetzbuch). Es ist also strikt vom Geschäft der Fondsgesellschaft zu trennen. So ist das Geld auch nicht in Gefahr, wenn die Gesellschaft beispielsweise insolvent wird. Klingt eigentlich nicht schlecht. Die Anleger müssen eigentlich nur einen langen Anlagehorizont mitbringen und schon sind sie auf der Gewinnerseite. Doch ist es wirklich so einfach? In meinen Augen nicht. Dazu müssen wir uns noch einmal die immensen Schuldenberge der Staaten vor Augen führen. Damit einher geht die Zerstörung der Kaufkraft der zugrundeliegenden Währungen. Die Geschichtsbücher sind voll von Beispielen. Es gibt zwar verschiedene Strategien, um die Staatsverschuldung abzubauen. Doch die am häufigsten zur Anwendung gelangte Form ist die besonders perfide und weniger bekannte Form der Entschuldung, „finanzielle Repression“ genannt. Doch was hat es mit dem Mythos der finanziellen Repression auf sich? Prof. Dr. Stefan Homburg, Direktor des Instituts für Öffentliche Finanzen der Leibniz Universität Hannover beschreibt in seinem Aufsatz „Finanzielle Repression – Realität oder Mythos?“ die Gefahren, die sich durch die finanzielle Repression ergeben: „Der aus der Entwicklungsökonomik stammende Begriff „finanzielle Repression“, geprägt von Edward Shaw und Ronald McKinnon, wird seit einiger Zeit im Zusammenhang mit der Verschuldung westlicher Industriestaaten diskutiert. Reinhart und Sbrancia zufolge haben in der Geschichte zahlreiche entwickelte Staaten ihre Schuldenstandsquoten durch subtile, allmählich wirkende Maßnahmen statt durch Hyperinflation oder offenen Staatsbankrott verringert. Zu diesen Maßnahmen zählen Reinhart und Sbrancia implizite und explizite Zinsobergrenzen (Regulation Q), Goldbesitzverbot, Kapitalverkehrskontrollen, Zwangsanleihen, regulatorische Anreize und den Betrieb von Staatsbanken. Reinhart, Kirkegaard und Sbrancia nennen aktuelle Beispiele finanzieller Repressionen in Staaten wie Frankreich, Irland oder Japan – hauptsächlich Zugriffe auf private Pensionsfonds. Vor diesem Hintergrund sind Regulierungen wie Basel III (für Banken) oder Solvency II (für Versicherungsunternehmen) skeptisch zu betrachten, da sie – äußerlich ins Gewand des Verbraucherschutzes gekleidet – auffällige Vorzugsbehandlungen für Staatsschuldtitel enthalten.“ Ich sehe hierin die größte Bedrohung und somit das größte Risiko für einen modernen Anleger. Der Risikobegriff müsste in der Kundenberatung durch Finanzdienstleister deutlich weiter gefasst werden. Denn lediglich das Volatilitätsmaß als alleinige Größe zur Risikoabwägung heranzuziehen wird der heutigen Realität nicht gerecht. Investmentfonds als Kapitalsammelstellen sind eine leichte Beute des immer tiefer in die roten Zahlen rutschenden Wohlfahrtsstaates.

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.