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Inflation klettert weiter

Die Inflation in Deutschland ist im November auf einen neuen Höchststand geklettert. Erstmals seit September 1992 liegt die Preissteigerung bei über fünf Prozent. Energie verteuerte sich innerhalb eines Jahres um mehr als 22 Prozent. Wesentliche Ursachen für dieses historische Rekordniveau sind die Corona-Krise, Materialengpässe in der Industrie, die weltweite Konjunkturerholung und die Einführung der CO2-Abgabe.

Ausmaß der Inflation

Die Verbraucherpreise erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,2 Prozent. Im Oktober hatte die Messgöße noch bei 4,5 Prozent gelegen. Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) verwendete „Harmonisierte Verbraucherpreisindex“ entwickelte sich mit einem Wachstum von 6,0 Prozent noch deutlicher nach oben. 

Energiepreise steigen rasant

Besonders stark sind in Deutschland die Energiepreise angestiegen. Haushaltsenergie wurde im November gegenüber dem Vorjahr um 22,1 Prozent teurer. Im Oktober waren die Energiepreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 18,6 Prozent gestiegen, im September um 14,3 Prozent. Lebensmittel sind um 4,5 Prozent teurer geworden. Unterproportional sind die Preise für Dienstleistungen gestiegen (plus 2,8 Prozent). 

Folgen der Inflation 

Eine hohe Inflationsrate verringert die Kaufkraft der Verbraucher, weil diese beim Einkauf für einen Euro weniger erhalten als vorher. In der Regel spüren Rentner, Studierende, Auszubildende, Transferempfänger und Erwerbstätige mit geringem Lohn die Preissteigerung besonders deutlich, weil sie einen Großteil ihres Einkommens für den Konsum verwenden müssen. Wenn die Inflationsrate oberhalb des Guthabenzinses für Geldanlagen liegt, wird das reale Vermögen der Sparer entwertet. In der Folge kommt es zur Flucht in Sachwerte. Beispielsweise entscheiden sich die privaten Haushalte dann für Edelmetalle oder Immobilien. Der damit verbundene Nachfragesog kann die Geldentwertung weiter beschleunigen. 

Gründe für die Inflation

Die globale Erholung der Konjunktur nach der durch Corona bedingten Rezession trägt zur Beschleunigung der Preissteigerung bei. Weitere Ursachen sind die Materialknappheit und Lieferengpässe auf einigen Märkten. Darüber hinaus führt die Einführung der CO2-Abgabe in Deutschland zu steigenden Preisen. Die hohen Frachtraten in der Containerschifffahrt verteuern Elektronikartikel und großvolumige Güter, die aus vielen Einzelteilen bestehen. Im zweiten Halbjahr 2020 galten in Deutschland niedrigere Mehrwertsteuersätze. Da die Inflationsrate die gültigen Preise zum Preisniveau des Vorjahres in Relation setzt, ist die aktuell gemessene Preissteigerung zum Teil überzeichnet. Am 31. Dezember 2021 wird diese statistische Verzerrung enden. 

Mittel- und langfristige Risiken für die Preisniveaustabilität 

Dennoch bleiben Risiken für die Preisniveaustabilität bestehen. Da die Regierungen vieler Staaten in den kommenden Monaten das öffentliche Leben und die Ökonomie voraussichtlich wieder einschränken werden, drohen erneut Produktionsausfälle und Lieferkettenunterbrechungen. Der Materialmangel in der Industrie könnte sich weiter zuspitzen. Darüber hinaus führen Konjunkturprogramme zu einer hohen Neuverschuldung durch den Staat. Dadurch wird der Anreiz verstärkt, eine höhere Inflationsrate in Kauf zu nehmen, um die Schulden zu entwerten. Die Unabhängigkeit der Notenbanken wird dadurch auf eine harte Probe gestellt. Die Europäische Zentralbank (EZB) geht davon aus, dass im November der Höhepunkt der Preissteigerung erreicht ist und die Preise in 2022 langsamer wachsen werden. Die Wirtschaftsweisen prognostizierten für 2022 eine Inflationsrate von 2,6 Prozent in der Bundesrepublik. Dann wäre das Ziel der Preisniveaustabilität in Deutschland weiterhin nicht erfüllt. Für Entwarnung ist es daher zu früh.

Strategie der Europäischen Zentralbank 

Die Europäische Zentralbank ist vorrangig dem Ziel der Preisniveaustabilität verpflichtet und darf andere wirtschaftspolitische Ziele nur unterstützen, wenn ein stabiles Preisniveau nicht gefährdet ist. Dies bedeutet, dass die Preise im Durchschnitt um maximal zwei Prozent steigen dürfen. Eigentlich müsste die EZB nun die Leitzinsen anheben, um die Inflation zu bremsen. Dies würde aber dazu führen, dass die Kapitalbeschaffung für die Unternehmen teurer würde. Außerdem würde für die Verbraucher das Sparen in Relation zum Konsumieren attraktiver werden. In Kombination könnten diese beiden Effekte vor allem in den südeuropäischen Ländern zu einer Wirtschaftskrise führen. Einem Land wie Italien wird es auf absehbare Zeit nicht gelingen, die im Maastricht-Vertrag festgelegte Schuldengrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes einzuhalten. Manche Ökonomen befürchten daher, dass die EZB nur noch pro forma an der Obergrenze von zwei Prozent für die Inflationsrate festhält.

Inflationsrate in Wirklichkeit noch höher

Die gemessene Inflationsrate bildet die tatsächliche Preissteigerung nicht vollständig ab. Denn die Preise für Wohnimmobilien finden in den amtlichen Daten keine Berücksichtigung. Faktisch beläuft sich der Anteil der Nettokaltmiete auf rund ein Fünftel der gesamten Ausgaben der privaten Haushalte. In Deutschland sind Wohnimmobilien im zweiten Quartal um fast elf Prozent teurer geworden. Das Statistische Bundesamt greift auf die Mietäquivalenz-Methode zurück. Laut den amtlichen Daten stiegen die Nettokaltmieten innerhalb eines Jahres um lediglich 1,2 Prozent. Bei vielen Eigenheimbesitzern ist die individuelle Inflationsrate daher höher, als von der Behörde gemeldet.

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.