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Illusion oder Rettungsanker: Ein Wettbewerb ums beste Geld

Geld – wie wir es kennen – ist untrennbar mit dem Handeln von Notenbanken sowie mit staatlich verordneten Regeln verbunden. Dass damit zahlreiche Risiken wie Inflation und Überschuldung einhergehen, liegt auf der Hand. Doch es gibt einen interessanten Ansatz zur Lösung dieses Problems: Den Wettbewerb ums beste Geld.

Was ist Geld?

Lassen Sie uns zunächst einen kurzen Blick in die Geschichte des Geldes werfen: Nachdem sich der Tausch als frühe Form des Handelns irgendwann als immer komplizierter und aufwendiger erwiesen hatte, entstanden schon rund 600 vor Christus die ersten Münzen. Im Wissen, dass der Gegenwert der getauschten Waren beachtet werden musste, kamen vor allem Gold und Silber als Material für Geldstücke zum Einsatz. Dieses System fand schnell allgemeine Akzeptanz und blieb über viele Jahrhunderte gleich. Mit dem Aufkommen des Papiergeldes (in Europa ab dem 15. Jahrhundert) vollzog sich dann der erste Wandel: Nunmehr war die Kopplung des Materialwertes an das Geld (die Münze) aufgehoben und der Schein (die Banknote) stellte eine Art „Anrechtsurkunde“ an gold- bzw. silbergedecktem Geld dar.

Zum Fiasko führte diese Entwicklung spätestens, als die ersten Staaten (als Herausgeber des Geldes) mehr Banknoten drucken ließen, als Gegenwert vorhanden war. In Deutschland wurden die Folgen vor allem in der sogenannten „großen Inflation“ Ende der 1920er Jahre für jeden Bürger spürbar. Doch dieser Schock hielt nicht lange an und so fiel 1971 das nächste Tabu: Der damalige US-Präsident Richard Nixon hob die Goldanbindung des Dollars auf. Die Idee eines auf dem Golddevisenstandard basierenden Geldsystems war somit gescheitert. Heute gibt es – anders als die Mehrheit der Bürger noch immer glaubt – keinen materiellen Gegenwert zu den umlaufenden Banknoten mehr. Die Zentralbanken werfen stattdessen permanent neues Geld in den Markt. Wie lange das noch gutgeht, ist ungewiss.

Ist das staatliche Geldmonopol in Stein gemeißelt?

Das Hauptproblem einer ungedeckten, nicht limitierten Ausgabe von Banknoten ist das staatliche Geldmonopol. Denn grundsätzlich kann niemand anderes als der Staat Geld emittieren. Operativ wird dies im Allgemeinen durch Notenbanken ausgeführt, die vom Staat dazu bevollmächtigt werden. Die Notenbanken erhalten im Zuge dieses Auftrags regelmäßig das Recht, die Menge des umlaufenden Geldes nach bestimmten gesetzlichen Vorgaben in eigener Verantwortung zu regulieren. Aus diesem Grund ist die Stabilität und Sicherheit einer Währung untrennbar mit staatlichem Handeln und politischen Kalkül verbunden. Grundsätzlich kann sich kein Bürger diesem Prinzip entziehen. Doch das staatliche Geldmonopol ist keineswegs in Stein gemeißelt. Versuche, alternative Formen des Geldes zu finden, wurden und werden immer wieder diskutiert.

Eine Idee mit Potenzial: Friedrich August von Hayeks „Multigeld-System“

Im Jahr 1975 machte der österreichische Ökonom und Sozialphilosoph Friedrich August von Hayek einen seinerzeit viel beachteten Vorschlag: die Abschaffung des staatlichen Geldmonopols zugunsten eines „Multigeld-Systems“. Hayek stellte seine Idee von einer Entnationalisierung des Geldes auf den Sockel des Wettbewerbs unter privaten Geldanbietern. Sein Gedanke dabei: Eine Bündelung der Macht beim Staat funktioniert auf Dauer nicht. Vielmehr bedarf es einer Geld-Ordnung, die auf konsequenter Machtteilung beruht. Private Unternehmen sollen Geld in Umlauf bringen und so in einen Währungswettbewerb treten. Die Bürger könnten dann jene Währungen nutzen, die sie möchten – und denen sie am meisten vertrauen, weil sie das stärkste Fundament besitzen. Hayek sah hier vor allem in gold- bzw. rohstoffgedecktem Geld die Ideallösung.

Was die Wirtschaft retten kann

Denkt man Hayeks Idee konsequent weiter und überträgt sie auf die heutige Zeit, wird klar: Der Wunsch nach wertstabilem Geld würde die Banken dazu zwingen, diese Erwartungen so gut wie möglich zu erfüllen. Andernfalls würden die Konsumenten sich nämlich für einen anderen Emittenten entscheiden und die betreffende Bank würde einfach vom Markt verschwinden. Hayek kam zu dem Schluss, dass Geld die einzige Sache ist, die infolge eines Wettbewerbs nicht billiger werde (also an Kaufkraft verliere), sondern „teuer“ bleiben würde. Modelle eines solchen Wettbewerbs sehen wir heute beispielsweise in der viel diskutierten Kryptowährung Bitcoin. Diese funktioniert bislang deshalb, weil verschiedene Interessengruppen wie Entwickler, Miner und Nutzer innerhalb eines eigenen wirtschaftlichen Ökosystems agieren. Gleichwohl wird heiß diskutiert, ob Kryptowährungen tatsächlich Geld sind.

Was dessen ungeachtet auf der Hand liegt: Die Abschaffung des Geldmonopols würde den Staaten die Möglichkeit nehmen, über eine Inflation ihre Schuldenlast zu verringern. Stattdessen wären sie dazu angehalten, Haushaltsdisziplin zu üben. Das gegenwärtig bestehende Problem einer Überschuldung von Staaten und von Banken wäre gelöst.

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.