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Historischer Nicht-Gewinn der Bundesbank: Auswirkungen der EZB-Politik

Das erste Mal seit über 40 Jahren, nämlich seit 1979, hat die Bundesbank in ihrem letztjährigen Ergebnis keinen Gewinn erwirtschaftet. Gegenüber dem Vorjahr (2019) fehlen dem Bundeshaushalt dementsprechend fast sechs Milliarden Euro. Ein wesentlicher Grund dafür dürfte die EZB-Politik sein, die zu einer deutlichen Erhöhung der Risikovorsorge geführt hat.

Gewinneinbruch bei der Bundesbank

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, also 2019, gab es im vergangenen Jahr bei der Bundesbank einen massiven Gewinneinbruch. Betrug der Gewinn 2019 noch rund 5,9 Milliarden Euro, so steht für 2020 lediglich die schwarze Null. Lange vorbei scheinen noch wesentlich höhere Gewinne, welche die Deutsche Bundesbank beispielsweise um die Jahrtausendwende herum mit über zehn Milliarden Euro erzielen konnte.

Deutlich gestiegene Risikovorsorge bei der Bundesbank

Der Hauptgrund für den Einbruch des Gewinns bei der Deutschen Bundesbank ist die deutliche Erhöhung der sogenannten Wagnisrückstellung. Diese wurde um nicht weniger als 2,4 Milliarden Euro erhöht, sodass sich insgesamt eine Summe bei der Risikovorsorge von 18,8 Milliarden Euro zeigt. Damit handelt es sich um einen historisch betrachtet absoluten Rekordwert. 

Expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank als Hauptverursacher 

Warum nun hat die Bundesbank ihre Risikovorsorge überhaupt so massiv erhöht? Experten gehen davon aus, dass dies insbesondere auf die massive Expansionsgeldpolitik der Europäischen Zentralbank zurückzuführen ist. Damit merkt indirekt auch der Steuerzahler die ersten Auswirkungen dieser sogenannten Geldüberschwemmungs-Politik. Umso negativer ist es, dass trotz eines neuen Rekordwertes die Wagnisrückstellung vermutlich nicht einmal ausreichen wird. Daher gehen Fachleute bereits jetzt davon aus, dass in 2021 weitere Erhöhungen der Risikovorsorge seitens der Bundesbank stattfinden müssen.

Immer höhere Freibeträge der Banken mindern Gewinn der Bundesbank

Ein weiterer Grund dafür, dass der Gewinn der Deutschen Bundesbank im vergangenen Jahr der ausgewiesenen Bilanz nicht mehr vorhanden war, besteht darin, dass die Kreditinstitute für ihre Einlagen bei der Bundesbank immer höhere Freibeträge fordern. Das bedeutet, dass erst ab einer gewissen Summe Strafzinsen zu zahlen sind, sodass der Bundesbank auf dieser Ebene Einnahmen entgehen. Zwar werden für Guthaben Strafzinsen gefordert. Allerdings könnten diese schnell zu Zinsaufwendungen werden, wenn sich das allgemeine Zinsniveau wieder anhebt. 

Hinzu kommt, dass aufgrund der negativen Zinsen bei deutschen Staatsanleihen auch hier aktuell keine echte Einnahmequelle seitens der Bundesbank vorhanden ist, ganz im Gegenteil. Die Zinsaufwendungen der Deutschen Bundesbank sind im vergangenen Jahr sogar gestiegen. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Banken innerhalb der Notfallmaßnahmen die Möglichkeit hatten, sich günstiger zu refinanzieren. Auf der anderen Seite sind die Zinserträge gesunken, nämlich im Bereich des Nettozinsertrages auf nur noch 2,9 Milliarden Euro.

Extreme Ausweitung der Bilanzsumme als weitere Auswirkung

Eine weitere Auswirkung der expansiven EZB-Geldpolitik besteht in der erheblichen Ausweitung der Bilanzsumme der Deutschen Bundesbank. Diese stieg um deutliche 42 Prozent an, was eine enorme Wachstumsgeschwindigkeit darstellt. Damit ist die Bilanzsumme mit 2,5 Billionen Euro historisch hoch. Einen positiven Ausblick gab die Bundesbank allerdings im Hinblick auf das Wirtschaftswachstum. Dies könnte insbesondere dann schnell anziehen, wenn eine Lockerung der Lockdown-Maßnahmen stattfindet und sich die Wirtschaft in weiten Teilen deutlich eröffnen darf.

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.