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Angriff auf das Bargeld

Angriff auf das Bargeld: Brüssel fordert europaweit gültige Bargeldgeschäftgrenze

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, soll schon in zwei Wochen ein neues Gesetzespaket in Brüssel geschnürt werden, dessen Fokus auf dem Bargeld liegt – oder besser gesagt, den vermeintlich zu hohen Mengen, die Europas Bürger davon horten und für Transaktionen nutzen. Deshalb möchte die EU Bargeldgeschäfte gern begrenzen: und zwar auf maximal 10.000 Euro.

Einheitliche Regelung für die Eurozone

Aktuell gleicht die EU, auch was Bargeldgeschäfte angeht, einem Flickenteppich. In einigen Ländern existieren schon jetzt strikte Regelungen und Höchstgrenzen. Ein gutes Beispiel dafür ist Griechenland, welches von staatlicher Seite Bargeldgeschäfte mit einer Maximalgrenze von 500 Euro belegt. Selbiges bedeutet, es dürfen keine Bargeldgeschäfte stattfinden, die über diese 500 Euro hinausgehen. Das gilt auch für B2C-Zahlungen, also beispielsweise beim Kauf von High-End-Geräten in einem Apple-Shop. 

Kroatien verfügt ebenfalls über eine solche Grenze, die aber weitaus großzügiger angelegt ist – hier dürfen Bargeldgeschäfte bis zu einer Höhe von maximal 15.000 Euro stattfinden. Speziell in Kroatiens Situation würde die neue Regelung aus Brüssel also Veränderungen bewirken und die aktuell 15.000 Euro Höchstgrenze auf 10.000 Euro reduzieren. Wesentlich gravierender wären die Folgen in Deutschland, denn hierzulande existieren zum aktuellen Zeitpunkt keinerlei Vorschriften zu etwaigen Höchstbeträgen. Wer mit Bargeld zahlen möchte und auf einen Händler trifft, der sogar höhere Summen akzeptiert, kann das jederzeit in eigener Verantwortung tun. Nach dem neuen Brüsseler Gesetzespaket wäre das hingegen nicht mehr möglich.

Hand in Hand gehen soll das Gesetzespaket idealerweise mit einer bis Anfang 2023 neu etablierten Behörde im Kampf gegen europaweite und internationale Geldwäsche. Die Behörde soll sich vor allem kritischen Banken widmen, diese fortlaufend kontrollieren und zugleich die Arbeit der nationalen Aufsichtsbehörden überwachen. Es liegt mitunter nicht fern, diesen Schritt auch als Antwort auf die jüngsten, zahlreichen Skandale zu verstehen – wie beispielsweise das in Deutschland Quasi-Versagen der Behörden im Fall Wirecard.

Wirtschaftsflügel der Union mit Kritik

Der Wirtschaftsrat der CDU in Person von Wolfgang Steiger, dem Generalsekretär, kritisiert den Vorstoß und bemängelt, das Brüsseler Gesetz gehe zu weit. Ein derartiger Eingriff in die Bargeldgeschäfte der Europäer würde nicht nur keinen konkreten Nutzen bringen, sondern zugleich der Wirtschaft und Einzelhändlern schaden. Der Generalsekretär kritisiert konkret den Gesetzesentwurf, aber auch das Vorgehen. So sei es wenig klug, wenn „mit dem Holzhammer“ derartige Obergrenzen verhängt werden würden, äußert sich Steiger weiter. 

Der Vertreter der CDU fordert stattdessen sowohl die nationalen Behörden als auch die EU-Kommission auf, ihrer regulären Arbeit nachzugehen und bereits bekannte Verdachtsfälle genau zu prüfen, statt neue Verbote zu etablieren, die unbeteiligte Privatpersonen mitunter deutlich einschränken. Zuletzt mahnte Steiger noch, Bürger müssen weiterhin in der Lage sein, ihr eigenes Vermögen zu schützen, indem sie Teile davon in Bargeld lagern. Diese Äußerung darf vor allem mit dem Hintergrund der Negativzinsen verstanden werden, deren Grenzen zuletzt noch teils rapide abgesenkt wurden.

Bargeld ist in Deutschland immer noch sehr beliebt

Während Bargeld in anderen Ländern zusehends zur Randerscheinung avanciert, mag der Deutsche sein Bargeld immer noch ganz besonders. Im DACH-Raum, also Deutschland, Österreich und der Schweiz, ist Bargeld das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel. Wobei sowohl PayPal als auch Apple Pay konsequent an Bedeutung gewinnen. 

Aus einer Befragung geht hervor, dass in Deutschland 66 % Bargeld präferieren, wobei das im Vorjahr noch auf 75 % der Befragten zutraf. Der Rückgang fällt also deutlich aus, die verlorenen Anteile dürften den digitalen Zahlungsmöglichkeiten zu Gute gekommen sein. Noch höher ist der Anteil übrigens in Österreich, aktuell mit 78 % nach 83 % im Vorjahr. Die Schweiz verzeichnet ebenfalls einen Rückgang, von 71 % im Vorjahr auf aktuell 64 %.

Gemeinsam haben alle drei deutschsprachigen Länder, dass sich die Mehrheit der Befragten nicht vorstellen kann, überhaupt nicht mehr mit Bargeld zu zahlen. Vor allem für kleinere Anschaffungen, beispielsweise an der Supermarktkasse für einen kleinen Einkauf oder beim Bäcker, regiert immer noch „König Bargeld“. Wobei keinesfalls nur die Bequemlichkeit den Ausschlag gibt. Vor allem in Österreich schätzen viele Menschen (59 % d. Befragten) die Privatsphäre, die ihnen eine Zahlung mit Bargeld bietet: die nicht digital erfasst und möglicherweise ausgewertet oder verfolgt wird.

Der Vorstoß aus Brüssel kommt in einer Zeit, wo Bargeld ein wenig an Bedeutung verlor. Geschuldet war das nicht zuletzt der Corona-Pandemie, die dem hygienischerem, kontaktlosem Zahlen einen deutlichen Schub verlieh. Wenn der Deutsche kontaktlos zahlen möchte, dann primär mit seiner EC-Karte, deutlich weniger noch mit einer Kreditkarte. Digitale Zahlungen mit dem Smartphone machen in Deutschland lediglich 9 % aus und sind daher noch eine Randerscheinung – wobei die Anteile in den jüngeren Altersgruppen natürlich höher ausfallen als bei Menschen mittleren oder gehobenen Alters. Insofern sollte sich Brüssel mitunter hüten, einen Angriff auf das Bargeld zu unternehmen.

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Autor: Ronny Wagner

Ronny Wagner ist Finanz-Blogger, Geldcoach, Inhaber des Edelmetallhändlers Noble Metal Factory und Gründer der „Schule des Geldes e.V.“. Er widmet sich seit 2008 dem Thema „Finanzbildung“ und hält das für einen Teil der Allgemeinbildung. Dabei ist sein Ziel, Menschen in finanziellen Fragestellungen auszubilden, um dadurch ein Leben in Wohlstand zu erreichen.